Webkatalog Verzeichnis

12. April 2011

Als Webverzeichnis, oder Webkatalog, bezeichnet man eine Sammlung von Adressen von Webseiten im World Wide Web, die nach bestimmten Themen sortiert sind. Webverzeichnisse werden zumeist online im Internet oder in Buchform veröffentlicht.

Aufgabe und Funktion
Webverzeichnis-Redaktionen leisten für Online-Quellen das, was Bibliotheken für Printmedien übernehmen: Sie sammeln und sichten Informationen, entwickeln Taxonomien und katalogisieren ihre Sammlungen. Zu den gesammelten Quellen zählen dabei nicht nur ganze Websites oder Newsgroups, sondern zusätzlich auch einzelne Dokumente und Datenbankeinträge.

Über diese reine Bibliotheks-Funktion hinaus bieten Webverzeichnisse oft auch zusätzliche Informationen wie

* kurze Beschreibungen der einzelnen Kategorien und ihrer Inhalte,
* Querverweise zu verwandten Themen, Querverweise zu gleichen Themensammlungen in anderen Sprachen,
* eine auf bestimmte Themen beschränkbare Suchfunktion.

Webverzeichnisse sind nicht so umfangreich wie die automatisch erstellten Verzeichnisse von Suchmaschinen. Durch ihre redaktionelle Kontrolle erreichen Webverzeichnisse jedoch im Durchschnitt eine höhere Qualität. Die Qualität eines Webverzeichnisses hängt immer stark von seiner Redaktion ab.

Betreiber kommerzieller Webseiten bemühen sich um Einträge in Webverzeichnisse

* im Rahmen der sogenannten Suchmaschinen-Optimierung um die Zahl der bei ihnen eingehenden Links zu erhöhen
* um Besucher zu ihren Angeboten zu führen

Kommerzielle Webverzeichnisse bieten häufig eine Eintragung gegen Bezahlung an, die in der Regel jahresweise gebucht wird.

Arten von Webkatalogen
Die meisten heute bekannten Webkataloge werden manuell gepflegt, das heißt: Alle Einträge werden von Menschen gesichtet, geprüft und katalogisiert. Auf diese Art wird eine Qualität der Sammlung sichergestellt, die mit einem automatisierten Prozess nicht zu erreichen wäre. Problematisch bei dieser Methode ist jedoch der hohe Aufwand und damit der große Bedarf an Mitarbeitern, um ein umfassendes und aktuelles Verzeichnis gewährleisten zu können. Oft beschränken sich manuell erstellte Verzeichnisse deshalb auf kleine, eng abgegrenzte Themengebiete. Bekannte Ausnahmen bilden der Yahoo-Katalog oder das Open Directory Project.

Ein anderer Ansatz zur Organisation von Linksammlungen besteht in der Bildung von Ad-hoc-Kategorien aus Suchbegriffen. Diese automatisch generierten Kataloge enthalten wesentlich umfangreichere und aktuellere Inhalte. In ihrer Qualität erreichen sie aber heute noch nicht das Niveau, welches bei der manuellen Sortierung besteht. Ein bekanntes Beispiel für Ad-hoc-Katalogisierung ist der WiseGuide des Suchdienstes WiseNut.

Weiterhin kann unterteilt werden in hierarchische und nichthierarchische Webverzeichnisse. In hierarchischen Verzeichnissen werden Kategorien von Einträgen und oft die Einträge der Verzeichnisse selbst in einer eindeutigen Ordnung sortiert. Ein Eintrag befindet sich dabei oft nur in einer bestimmten Kategorie, was ihn schwer auffindbar macht. Ein Beispiel für ein sehr hierarchisches Webverzeichnis ist das Open Directory Project. Nichthierarchische Verzeichnisse bestehen dagegen aus einer Netzwerkartigen Struktur, mit deren Knoten die Einträge (Links) verknüpft werden. Dadurch sind die Einträge und Kategorien leichter zu finden, eine assoziative Suche ist eher möglich.

Schließlich lässt sich zwischen kommerziellen und hauptsächlich nichtkommerziellen Webverzeichnissen unterscheiden. Durch das Geschäftsmodell vieler Webverzeichnisbetreiber besteht besonders bei ersteren die Gefahr einer eingeschränkten Objektivität: Die Erhöhung der Ranghöhe in einem Verzeichnis für die eigene Webseite wird zur offiziell angebotenen Dienstleistung (Beispiele siehe unten Liste von Webverzeichnissen). Der Benutzer kann kaum unterscheiden, welche Suchergebnisse (Katalogeinträge) sich einen hohen Rang durch hohe Relevanz „verdient” haben und bei welchen ein hoher Rang „erkauft” wurde. Hier verschwimmt die traditionelle Grenze von Publikationen zwischen redaktionellem Teil einerseits und Anzeigenteil andererseits.

Probleme und Lösungsansätze
Bei großen Datenbeständen besteht für Webverzeichnisse einerseits die Gefahr, dass nicht mehr existierende Webseiten referenziert werden. Andererseits leidet bei großen Datenbeständen die Wiederauffindbarkeit relevanter Webseiten.

Um diesen Mängeln vorzubeugen, werden moderne Webverzeichnisse mit verschiedenen manuellen und automatischen Mechanismen ausgestattet, wie beispielsweise

* manuelle Bewertungssysteme („Voting”)
* automatische Bewertungssysteme („Ranking”)
* Robots („Webbots”) zum Überprüfen und ggf. entfernen toter Links
* Auswertung des Klickverhaltens der Benutzer

Kritik
Viele früher kostenlose Webverzeichnisse (zum Beispiel Web.de) sind heute kostenpflichtig mit Kosten von oft mehreren 100 Euro im Jahr, was für Nutzer der Dienste die Frage nach dem Verhältnis von Kosten und Nutzen aufwirft.

Für Nutzer, die nach Informationen suchen, sind viele kommerzielle Verzeichnisse inzwischen weniger geeignet, da ihre Datenbestände viel zu klein sind, um eine zielführende Suche zu ermöglichen.

Der ursprüngliche Sinn und Zweck, die wissenschaftliche Katalogisierung des Webs, ist bei diesen Webkatalogen aus den Augen verloren worden. Stattdessen ist eine Vielzahl an kleinen Verzeichnissen entstanden, die nur der Suchmaschinenoptimierung bzw. kommerziellen Zwecken dienen.

Social Bookmarks Marking

12. April 2011

Social Bookmarks (selten auch in der übersetzten Form: „Soziale Lesezeichen”) sind Internet-Lesezeichen, die in einem Netz (Internet oder Intranet) mit Hilfe einer Browser-Oberfläche von verschiedenen Benutzern durch Gemeinschaftliches Indexieren erschlossen werden. Sogenannte Social-Bookmark-Netzwerke können neben dem Sammeln von Links und Nachrichtenmeldungen auch zum Sammeln von Podcasts oder Videos konzipiert sein.

Anbieter und Funktionen
Zu den größten Anbietern im englischsprachigen Bereich zählen Delicious (ehemals “del.icio.us”), Digg, StumbleUpon und Microsoft. Es gibt auch rein deutschsprachige Dienste, wie z. B. Mister Wong, Icio, Linkarena und Oneview. Zu den deutschen Vertretern, die sich auf das „bookmarken” von Nachrichten spezialisiert haben, gehören unter anderem ShortNews, Webnews, YiGG und tausendreporter. Darüber hinaus haben sich im deutschsprachigen Raum auch kleinere Portale wie beispielsweise scoop.at in Österreich entwickelt, die bewusst einen länderspezifischen Nachrichtenbezug in den Vordergrund stellen.

Nutzer können eigene Lesezeichen hinzufügen, löschen, bewerten, kommentieren beziehungsweise mit Kategorien oder Schlagwörtern (engl. Tags) versehen. Ebenso haben sie Einblick in die Lesezeichen anderer Nutzer, die in die eigene Sammlung übernommen werden können. Social Bookmarks lassen sich je nach Dienst nach Schlagwörtern, Schlagwörter-Kombinationen, Kategorien oder Benutzern auflisten. Zudem gibt es in vielen Fällen eine Auflistung der von allen Nutzern zuletzt gespeicherten Lesezeichen auf der Startseite sowie eine Liste der beliebtesten Links. Jede dieser Listen lässt sich mit Hilfe eines RSS-Feeds verfolgen. Die meisten Anbieter von Social Bookmarks bieten eine Auflistung thematisch verwandter Links bzw. verwandter Tags an. Weitere Funktionen, die es allerdings nicht bei allen Anbietern gibt, sind Gruppenfunktionen, E-Mail- und Netzwerkfunktionen zwischen einzelnen Nutzern, Im- und Export der Lesezeichen-Dateien sowie Toolbars und Suchfunktionen für diverse Browser.

Suchmaschinenoptimierung
Auch in Hinblick auf Suchmaschinenoptimierung können Social Bookmarks interessant sein. Sie ermöglichen es nicht nur, eine Webseite bekannter zu machen, sondern können auch zu zusätzlichen Backlinks beitragen. Das Verlinken verschiedener Social Bookmarking-Dienste auf der eigenen Webseite bietet Besuchern die Möglichkeit, diese Webseite mit wenigen Klicks bei ihrem bevorzugten Social Bookmark-Dienst als Lesezeichen ablegen zu können und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Webseite gebookmarkt wird. Allerdings ist übertriebenes Eintragen der eigenen Webseite in verschiedene Social Bookmarking-Dienste unerwünscht und wird als Spam gewertet. Viele solcher „Eigenwerber” glauben fälschlicherweise, dass sie Social-Bookmarking-Dienste für die kostenlose Steigerung der Linkpopularität nutzen dürfen. In den Augen der Betreiber von Social-Bookmarking-Diensten soll jedoch ein solcher nicht als Werbeplattform für benutzer-eigene Websites dienen. So verhindern viele Dienste das Weiterverfolgen von Weblinks, indem diese mit dem nofollow-Attribut versehen oder durch das Robots-Exclusion-Standard-Protokoll geblockt werden.

Andererseits führt diese Möglichkeit der Suchmaschinenoptimierung dazu, dass einige dieser Bookmarking-Dienste einzig als Optimierungsprojekt des Betreibers aufgebaut werden. In diesem Fall werden die eingetragenen Bookmarks nur von extrem wenigen Usern gesehen und dienen nur dem Linkaufbau. Zu erkennen sind diese reinen SEO-Projekte an vielen Einträgen, die auf dieselben Webseiten zeigen, an geringen Bewertungszahlen und an einer “trägen” Community.

Open-Source-Lösungen
Es gibt eine Reihe von Open-Source-Lösungen für Social Bookmarks, die auf dem eigenen Server installiert werden können, z. B. Unalog, Connotea, Scuttle oder Pligg. Mit dem CMS Joomla kann ebenfalls ein Bookmark Dienst erstellt werden.

Paris Hilton

12. April 2011

Paris Whitney Hilton (* 17. Februar 1981 in New York City) ist eine US-amerikanische Hotelerbin, die unter anderem als Designerin, Fotomodell, Schauspielerin, Sängerin und Unternehmerin arbeitet.

Bekannt wurde Paris Hilton als eine zukünftige Erbin des Hilton-Vermögens, welches insgesamt rund 26 Milliarden US-Dollar betragen soll. Sie ist die Urenkelin des Hotelgründers Conrad Hilton. Ihr Vermögen wurde 2005 auf 360 Millionen US-Dollar geschätzt, von denen sie 224 Millionen geerbt hat. Aufgrund ihres schillernden Lebensstils und ihrer provozierenden Auftritte zieht Paris Hilton bewusst das Medieninteresse auf sich und nutzt diesen Umstand zur erfolgreichen Selbstvermarktung. 2005 wurde sie vom Musiksender VH1 mit dem Titel „It-Girl des Jahres” ausgezeichnet.

Biografie

Paris Hilton ist die Tochter von Richard Hilton und Kathy Richards-Hilton. Sie hat eine jüngere Schwester namens Nicholai Hilton (Nicky Hilton) und zwei jüngere Brüder, Barron und Conrad Hilton.

Ihre Schulzeit verbrachte Hilton auf der Canterbury School in Connecticut, der Buckley School in Sherman Oaks, Kalifornien, und zuletzt auf der Dwight School in New York, wo sie Cheerleader war. Im Alter von 17 Jahren verließ sie die Schule. Drei Jahre später begann sie, als Mannequin und Fotomodell zu arbeiten. Neben der Arbeit als Model wirkte Hilton in einigen weniger bekannten Filmen als Nebendarstellerin mit.

2000 hatte sie einen ersten Erfolg, als sie für die Zeitschriften GQ und FHM fotografiert wurde. Im Jahr 2003 spielte Paris Hilton in der vom US-Fernsehsender FOX produzierten Serie The Simple Life mit, in der sie an der Seite ihrer Freundin Nicole Richie das ländliche Leben auf einer Farm in Altus (Arkansas) kennenlernte. Die anfangs schlechten Einschaltquoten verbesserten sich, nachdem ein privates Sexvideo von ihr in der Öffentlichkeit auftauchte. Ihr Ex-Freund Rick Salomon hatte den Film unter dem Titel 1 Night in Paris als VHS-Video und DVD veröffentlicht. Paris Hilton verklagte Salomon und ihr wurde nachträglich eine Beteiligung am Gewinn zugesprochen. Nach der fünften Staffel (Goes to Camp) von The Simple Life wurde die Serie abgesetzt.

Paris Hilton veröffentlichte 2004 ein Buch mit dem Titel Confessions of an Heiress: A Tongue-in-Chic Peek Behind the Pose. Es stand wochenlang in den Top Ten der Bestsellerliste der New York Times. 2005 erhielt sie nach einigen kleineren Nebenrollen ihre erste größere Filmrolle in dem Horrorfilm House of Wax.

Von Mai bis Oktober 2005 war Paris Hilton mit dem griechischen Multimilliardärssohn Paris Latsis verlobt. Um Geld für die Opfer des Hurrikans Katrina zu sammeln, versteigerte Paris Hilton sich selbst und brachte damit der Spendenkasse 200.000 US-Dollar (rund 162.000 Euro) ein, die ein männlicher Fan für einen Silvesterabend mit ihr bezahlte.

Am 15. Februar 2007 war Paris Hilton Richard Lugners Stargast beim alljährlichen Wiener Opernball.

Im September 2006 wurde Paris Hilton wegen Trunkenheit am Steuer der Führerschein entzogen. Ende Februar 2007 wurde Hilton erneut von Polizisten angehalten, da sie nachts ohne Licht gefahren war. Hierbei bemerkten die Beamten, dass sie ohne gültige Fahrerlaubnis hinter dem Steuer saß und damit gegen die Bewährungsauflagen verstoßen hatte. Am 4. Mai 2007 verurteilte sie daher ein kalifornisches Gericht zu 45 Tagen Gefängnis im Century Regional Detention Center in Lynwood. Das Gericht betrachtete Hiltons Entschuldigung, ihr Sprecher Elliott Mintz habe sie falsch über die Bewährungsauflagen unterrichtet, als irrelevant. Die Hotelerbin hatte ihr wiederholtes Fahren ohne Fahrerlaubnis vor Gericht damit begründet, Mintz habe ihr mehrfach gesagt, der Führerschein sei nur für einen Monat entzogen und sie könne „für berufliche Zwecke” weiter Auto fahren. Ihre Haftstrafe musste sie am 5. Juni 2007 antreten, sonst hätte sich diese auf 90 Tage verdoppelt. Elliott Mintz wurde von Paris Hilton noch am selben Tag entlassen. Hiltons Anwalt legte direkt nach Urteilsverkündung Berufung ein. Paris Hilton versuchte mit Briefen an Politiker, unter anderem an den kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger, eine Überprüfung des Urteils zu veranlassen. Ihre Bemühungen zeigten offenbar Wirkung, denn am 17. Mai 2007 wurde ihre Haftstrafe auf 23 Tage verkürzt. Die Gefängnisbehörde rechnete es Hilton an, dass sie zum letzten Gerichtstermin pünktlich erschienen war.

Am frühen Morgen des 7. Juni 2007 wurde sie schließlich unter Hausarrest nach drei Tagen Haftzeit aus dem Frauengefängnis im kalifornischen Lynwood entlassen, nachdem zunächst ihr Anwalt und später ihr Psychiater sie im Gefängnis besucht hatten. Die Behörden begründeten die Entlassung mit „medizinischen Gründen”.

Am Morgen des 8. Juni wurde Hilton wieder vor Gericht geladen. Richter Michael T. Sauer stellte dort fest, dass die Entlassung in den Hausarrest nicht zulässig gewesen sei und Hilton ihre volle Haftstrafe im Gefängnis zu verbringen habe. Hilton wurde daraufhin weinend und schreiend aus dem Gerichtssaal wieder ins Gefängnis gebracht.

In der Nacht vom 25. auf den 26. Juni 2007 wurde sie wegen guter Führung aus dem Gefängnis entlassen.

Seit Mai 2008 wird ihre neue Reality-Show My new BFF (= „best friend forever”) in Los Angeles gedreht, die ab Oktober 2008 in den USA ausgestrahlt werden soll. Hilton sucht mithilfe dieser Sendung eine neue beste Freundin. Wegen des großen Interesses und der hohen Zuschauerzahlen in den USA dreht Hilton im Moment eine britische Version ihrer Show.

Unternehmen von Paris Hilton

Trotz ihres zur Schau gestellten Partylebens betätigt sich Hilton erfolgreich als Geschäftsfrau in den verschiedensten Bereichen. Den Grundstein legte ein Modelabel in Japan, das sie gemeinsam mit Schwester Nicky gründete, um exklusive Taschen zu vertreiben. Schnell erreichte der Gewinn Millionenhöhe. Das Geschäft wurde erfolgreich auf Accessoires, Kleidung und Schmuck ausgeweitet.

2005 gab Hilton Ihren Namen auch für Nachtbars, bekannt als „Club Paris” her. Der erste Club in Orlando, Florida war ein Erfolg, ein zweiter Club in Jacksonville, Florida hatte im Juli 2006 Eröffnung. Hilton wurde im Januar 2007 vom Eigentümer des Club Paris, Fred Khalilian, gefeuert nachdem sie sich angeblich nicht oft genug im Club mit Prominenten gezeigt hatte.

* Sie ist Mitbesitzerin des Londoner Nachtclubs „The Collection”.
* Mit Schwester Nicky lässt sie Schmuck produzieren (für Amazon.com).
* Mit Schwester Nicky besitzt sie ein Modelabel in Japan (auch Taschen und Accessoires).
* „That’s Hot”. Ihren Lieblingsspruch ließ sie sich markenrechtlich schützen und vertreibt ihn auf Brillen, Beautyprodukten, Telefonkarten, Küchenutensilien u.a.
* Sie vertreibt ihr eigenes Parfum „Paris Hilton Fragrance”.
* 2005 brachte sie ihr zweites Parfum „Just Me” auf den Markt
* Paris versuchte sich in einigen Filmen in TV und Kino als Schauspielerin. Ihr Auftritt in der letzten Staffel von „The Simple Life” brachte ihr 3 Millionen US-Dollar ein.
* Sie ist Werbeikone: Ihr Auftreten in Spots und Anzeigen ist Firmen Millionen wert.
* Als gern gebuchter (und fotografierter) Partygast verdient Paris 100.000 US-Dollar
* Sie gründete ihr eigenes Plattenlabel „Heiress Records”.
* In Las Vegas und Orlando wurden die ersten beiden Diskotheken der Kette „Club Paris” eröffnet.
* Im Dezember 2005 stellte sie ihre erste Uhrenkollektion vor.
* Anfang 2008 stellte Hilton ihre neue Modekollektion bei Kitson vor.

Werbekampagnen

Hilton sah sich im Mai 2005 mit Vorwürfen des Elternfernsehrates in Los Angeles konfrontiert, ihr Werbespot für einen BBQ-Burger der Firma „Carl’s Jr.” sei in Wahrheit ein Softporno. Der Elternfernsehrat rief daraufhin zum Boykott auf. Der Spot wurde ins Internet gestellt.

* 2001: Iceberg Jeans
* 2004: Paris Hilton (Parfum)
* 2004: T-Mobile
* 2004-2005: Guess
* 2005: Carl’s Jr. Burgers
* 2005-2006: GoYellow
* 2006: Rich Prosecco
* 2008: Fila

Schauspielkarriere

Filmografie

* 1991: Wishman
* 2000: Sweetie Pie
* 2001: Zoolander
* 2002: QIK2JDG
* 2002: Nine Lives - Haus des Schreckens (Nine Lives)
* 2002: American Dreams
* 2003: L.A. Knights
* 2003: Ein Kater macht Theater (The Cat in the Hat)
* 2003: Wonderland
* 2003: One Night In Paris
* 2004: Total verknallt in Tad Hamilton (Win a Date with Tad Hamilton!)
* 2004: The Hillz
* 2004: Raising Helen
* 2005: House of Wax
* 2005: Meat Pie
* 2006: National Lampoon’s Pledge This! (dtsch. Titel: Paris Hilton-Die Party Animals sind zurück)
* 2006: Bottom’s Up
* 2007: ParisExposed
* 2008: The Hottie and the Nottie
* 2008: Repo! The Genetic Opera

Fernsehfilme/-serien/-shows

* 2003: „The Simple Life”
* 2004: „The Simple Life 2: Road Trip”
* 2004: „Veronica Mars” als „Caitlin Ford” in der Episode: „Credit Where Credit’s Due”
* 2004: „O.C., California” als „Kate” in der Episode: „The L.A.”
* 2004: „Las Vegas” als „Madison” in der Episode: „Things That Go Jump in the Night”
* 2004: „George Lopez” als „Ashley” in der Episode: „Jason Tutors Max”
* 2005: „The Simple Life 3: Interns”
* 2005: „Saturday Night Live” (als Moderatorin)
* 2005: „Bullrun: Cops, Cars & Supers”
* 2005: „Pauly Shore Is Dead”
* 2005: „American Dreams”
* 2005: „The Diary” In der Episode: „The Truth”
* 2006: „The Simple Life 4: Till Death Do Us Part”
* 2007: „The Simple Life 5: Goes To Camp”)
* 2008: „Paris Hilton’s My new BFF”
* 2008/2009: „Paris Hilton’s British Best Friend”

Außerdem erschien der Amateurporno 1 Night in Paris 2004 auf DVD.

Musikalische Karriere

Erstes Studioalbum Paris
Paris Hilton versucht sich seit 2004 als Sängerin zu etablieren und nahm ein Album auf, für das sie J.C. Chasez und Rob Boldt als Produzenten engagierte. Sie kündigte ihren direkten Plattenvertrag mit Warner Brothers und gründete das Plattenlabel Heiress Records als Sublabel von Warner Brothers. 2004 wurde die geplante Veröffentlichung der ersten Single Screwed nach wenig erfolgreichen Testläufen in Clubs in Miami abgesagt. Im Juni 2006 wurde Stars Are Blind als erste Single des im Juli erscheinenden Albums Paris veröffentlicht. Anfang Juni 2007 wurde der Vertrag mit Hilton von Warner Brothers wegen enttäuschender Verkaufszahlen gekündigt. Wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen wurde gegen Hiltons ehemalige Plattenfirma im Juni 2007 eine Klage über 370.000 Euro beim Londoner High Court eingereicht. Hilton und ihrer Plattenfirma wird vorgeworfen den UB40. Klassiker “Kingston Town” rechtswidrigerweise gecovert zu haben.

Weltweit ist Stars Are Blind als erste Single von Hiltons Album veröffentlicht worden. Als zweite Single wurde jedoch in den USA am 15. August 2006 Turn It Up und in Europa und Asien am 6. November 2006 Nothing In This World, veröffentlicht. Nothing In This World erreichte in Singapur, Thailand und Ecuador Platz 1 der Singlecharts. In den USA stieg die Single nur durch hohe Downloadzahlen in die Charts ein. Am 7. Februar 2008 wurde Screwed in Asien als dritte Single veröffentlicht und erreichte u.a Platz 1 der Japanese Physical Charts.

Zweites Studioalbum
Nachdem im Dezember 2006 Gerüchte aufkamen, dass Paris Hilton ihre Gesangskarriere nicht weiter verfolgen würde, wurden die Pläne für ein weiteres Album wieder aufgenommen. Am 16. Juli 2007 bestätigte Hilton, dass sie bereits an einem zweiten Album arbeiten würde, für das es im Moment noch keinen Titel oder Veröffentlichungstermin gäbe. Sie nahm außerdem Gesangsstunden, um ihre Stimme für die neue Platte zu verbessern.

Am 30. September 2008 feierte Hiltons Song My BFF auf dem US-amerikanischen Radiosender KIIS-FM Weltpremiere. Es ist die erste Sinlge aus ihrem noch unbenannten zweiten Studioalbum und der Titelsong ihrer Fernsehshow My New BFF. Hilton bestätigte in einem Interview, dass die Aufnahmen für das neue Album beendet seien und es in den kommenden Wochen veröffentlicht werden solle.

Ende Oktober 2008 wurde die zweite Single Paris for President zusammen mit einem Musikvideo vorgestellt.

1 Night in Paris

12. April 2011

1 Night in Paris (alternative Titel: One Night in Paris, First Night in Paris und Paris Hilton Sex Tape) ist ein selbst gedrehter Pornofilm, der im Jahr 2004 veröffentlicht wurde. Der Film zeigt Paris Hilton mit ihrem ehemaligen Freund Rick Salomon beim Geschlechtsverkehr und gegenseitigen Oralverkehr. Gedreht wurde der Film in einem Zimmer des Hotels Bellagio in Las Vegas. Er entwickelte sich zwischenzeitlich, wohl aufgrund der Bekanntheit von Paris Hilton bzw. ihrer Familie, zu einem der bekanntesten pornographischen Filme und wurde 2006 auch im Fernsehen im Erotikprogramm von Premiere ausgestrahlt.

Hintergrund

Das teilweise mit einer statischen Hi8-Handycam gefilmte Amateurvideo wurde dem Vernehmen nach im Jahr 2003 aufgenommen, und nach Rick Salomons Trennung von Paris Hilton von ihm selbst im Internet veröffentlicht und zum Herunterladen angeboten. Durch das darauf folgende große Medienecho entschloss sich Rick Salomon jedoch, das Video unter dem Namen 1 Night in Paris auf DVD herauszugeben. Während die Aufnahmen im Internet zum Teil einen starken Grünstich hatten, da ein Großteil der Produktion in einem abgedunkelten Zimmer aufgenommen worden war, filterte man diesen für die DVD heraus und erhielt dadurch relativ gute Schwarz-Weiß-Bilder.

Paris Hilton bzw. ihre Familie versuchten zunächst erfolglos, rechtlich gegen die Verbreitung im Internet und auch gegen den Verkauf der DVD vorzugehen. Später verklagte Paris Hilton dann Rick Solomon auf Schadensersatz für die Veröffentlichung der DVD und erhielt eine Entschädigung von $400.000 sowie eine Beteiligung an den Einnahmen zugesprochen. Paris Hilton konnte vom Presserummel um die ganze Angelegenheit ebenfalls profitieren: Ihre Popularität und die Quoten ihrer Reality Soap The Simple Life schnellten in die Höhe.

Einige Filmszenen, wie beispielsweise die Szene, in der Paris Hilton während des Aktes das Bett verlässt, um zu ihrem klingelnden Mobiltelefon zu gelangen, wurden populärer Gegenstand von Parodien.

Paris Hilton gelangte im Zusammenhang mit dem Film 2005 erneut in die Schlagzeilen, als sie sich über seinen Verkauf und Werbung in einem Geschäft in West Hollywood ärgerte und deswegen dort randalierte und eine DVD-Ausgabe stahl.

Auszeichnungen

1 Night in Paris wurde im Jahre 2005 mit drei AVN Awards als Best Selling Title of the Year, Best Renting Title of the Year und Best Overall Marketing Campaign ausgezeichnet.

Michael Joseph Jackson

07. April 2011

Michael Joseph Jackson (* 29. August 1958 in Gary, Indiana; † 25. Juni 2009 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Sänger, Komponist, Tänzer und Entertainer. Mit schätzungsweise 750 Millionen verkauften Tonträgern war Jackson einer der kommerziell erfolgreichsten Musiker in der Geschichte der Popmusik und wird King of Pop genannt.

Jackson wurde bereits als Kind Teil der in den 1970er-Jahren populären Band The Jackson Five. Als Solokünstler veröffentlichte er 1982 mit Thriller das bis heute weltweit meistverkaufte Album. Ebenfalls weltweiten Erfolg hatte er mit den Alben Off the Wall (1979), Bad (1987), Dangerous (1991) und HIStory (1995).

Michael Jackson kam als achtes von insgesamt zehn Kindern in Gary (Indiana) zur Welt. Sein Vater Joseph Jackson (* 1929) war Kranführer und seine Mutter Katherine Jackson (* 1930) Verkäuferin. Brandon Jackson, der ein Jahr ältere Bruder von Michael, starb bereits einige Stunden nach seiner Geburt. Die Geschwister von Michael Jackson sind:

Rebbie (* 1950), Jackie (* 1951), Tito (* 1953), Jermaine (* 1954), La Toya (* 1956), Marlon (* 1957), Brandon (*/† 1957) (Zwillingsbruder von Marlon), Randy (* 1961), Janet (* 1966) sowie Joh’Vonnie Jackson (* 1974), eine uneheliche Halbschwester väterlicherseits, die bei ihrer Mutter aufwuchs.

Der Vater Joseph Jackson sorgte von frühester Kindheit an für die musikalische Förderung seiner sechs Söhne und drei Töchter. Er trieb sie immer wieder zu Höchstleistungen bei verschiedenen Talentwettbewerben an und gründete schließlich 1964 das damalige Trio The Jackson Brothers. Diese Band wurde 1966 in The Jackson Five umbenannt und bestand seitdem aus den fünf Brüdern Jackie, Tito, Jermaine, Marlon und Michael Jackson, wobei Michael der Hauptsänger war. Von den Jackson-Geschwistern waren nach Auflösung der Gruppe The Jackson Five nur noch Michael und seine Schwester Janet Jackson dauerhaft erfolgreich. Zeitweise konnten auch La Toya und Jermaine Jackson Chart-Erfolge als Solokünstler verbuchen. Die Söhne von Bruder Tito und Neffen von Michael Jackson, Tariano Adaryll Jackson II, Taryll und Tito Joe Jackson, waren als Band 3T kurzzeitig erfolgreich.

Michael Jackson war zweimal verheiratet, das erste Mal von 1994 bis Dezember 1995 mit der Sängerin Lisa Marie Presley, der Tochter von Elvis Presley. In zweiter Ehe war Michael Jackson von 1996 bis 1999 mit Deborah Jeanne Rowe verheiratet. Aus dieser Ehe gingen mit dem Sohn Prince Michael Jackson Jr. (* 1997) und der Tochter Paris Michael Katherine Patricia Jackson (* 1998) zwei Kinder hervor. Sein drittes Kind, der Sohn Prince Michael Jackson II, kam 2002 auf die Welt und wird mit Spitznamen Blanket genannt. Die Mutter von Blanket ist bis heute nicht bekannt. Michael Jackson hatte das alleinige Sorgerecht für alle drei Kinder, welches nach seinem Tod auf seine Mutter Katherine Jackson überging.

Jackson hat erhebliche Mittel in wohltätige Zwecke investiert. Unter anderem gründete er die Stiftung „Heal the World”. Für sein vielfältiges Engagement im sozialen Bereich erhielt er 2002 den Bambi für sein Lebenswerk. Die Einnahmen aus seiner „Dangerous”-Welttournee spendete er nach eigenen Angaben komplett wohltätigen Zwecken.

„Heal the World” wurde im Jahr 2002 als Stiftung (Sitz war im Bundesstaat Kalifornien) gelöscht, da sie keine Steuererklärungen und Nachweise karitativer Tätigkeit mehr ablieferte.

Im Oktober und November 2005 arbeitete Jackson laut eigener Aussage mit vielen namhaften Künstlern in London und Los Angeles an einer Charity-Single für die Opfer des Hurrikans Katrina in New Orleans, die jedoch nie veröffentlicht wurde.

Gegen Ende der 1970er- oder Anfang der 1980er-Jahre unterzog sich Michael Jackson der ersten kosmetischen Operation, der weitere Operationen folgten, vor allem an der Nase. Jackson selbst erklärte 1993 in einem Interview mit Oprah Winfrey, sich zwei Eingriffen an der Nase und einem Eingriff am Kinn unterzogen zu haben. Jackson gab an, dass er aus medizinischen Gründen gezwungen gewesen sei, zusätzliche Eingriffe am Kopf vornehmen zu lassen. Bei einem Unfall mit Feuerwerkseffekten beim Dreh eines Pepsi-Werbespots hatte er 1984 schwere Verbrennungen am Kopf erlitten. Bei den Untersuchungen nach seinem Tod wurde eine kahle Stelle am Kopf als Folge dieser Verbrennungen entdeckt, die er seitdem mit einer Perücke verdeckte.

Zu den Vermutungen in den Medien, er habe sich die Haut aufhellen lassen, erklärte Jackson in einem Fernsehinterview, die Veränderung seiner Hautfarbe sei auf die Hautkrankheit Vitiligo zurückzuführen. Jackson wurde von seinem langjährigen Hautarzt Arnold Klein mehr als 25 Jahre wegen Akne und Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte) behandelt.

Nach seinem Tod fand die Polizei von Los Angeles in seinem Anwesen große Mengen an Medikamenten, darunter das Narkosemittel Propofol, sowie Rezepte, die nicht auf ihn, sondern auf eines seiner Pseudonyme ausgestellt wurden. Dies führte zu Durchsuchungen bei mindestens drei Ärzten, die dem Popstar Medikamente verschrieben haben sollen. Laut seiner Ernährungsberaterin Cherilyn Lee litt Jackson unter schwerer Schlaflosigkeit. Bei der Obduktion wurden Tabletten im Magen gefunden.

Am 25. Juni 2009 um 14:26 Uhr Ortszeit (23:26 Uhr MESZ) wurde Michael Jackson im Alter von 50 Jahren im Ronald Reagan UCLA Medical Center in Los Angeles für tot erklärt. Die Untersuchungen zur Klärung der Todesursache sind noch nicht abgeschlossen, insbesondere stehen die Ergebnisse neuropathologischer und toxikologischer Untersuchungen noch aus. Die Obduktionen ergaben jedoch bislang keinen Hinweis auf eine Fremdeinwirkung oder ein todesursächliches Trauma. Der inzwischen freigegebene Totenschein lässt die Todesursache weiterhin offen. Jedoch wurden zahlreiche Nadeleinstiche in den Armen festgestellt.

Am 7. Juli 2009 10:00 Uhr Ortszeit (19:00 Uhr MESZ) fand eine offizielle, von zahlreichen Fernsehsendern auf der ganzen Welt übertragene Trauerfeier im Staples Center in Los Angeles im Beisein von etwa 17.500 Fans, 2.000 Journalisten und 500 Prominenten statt.[ Der vergoldete Sarg Jacksons wurde vor der Bühne aufgebahrt, während Jacksons Geschwister, ein Gospelchor und weitere Personen mit Redebeiträgen und musikalischen Darbietungen des verstorbenen Künstlers gedachten. Mit Einzelbeiträgen traten hierbei namentlich hervor: Pastor Lucious Smith, Mariah Carey und Trey Lorenz, Queen Latifah, Lionel Richie, Berry Gordy (Motown), Stevie Wonder, die Basketballspieler Kobe Bryant und Magic Johnson, Jennifer Hudson, der Prediger und Freund der Familie Al Sharpton, John Mayer, Brooke Shields (Ex-Freundin Jacksons in den 1980er-Jahren), Martin Luther King III und seine Schwester Bernice (Kinder von Martin Luther King), Sheila Jackson Lee (US-Kongressabgeordnete), Usher, Smokey Robinson, Kenny Ortega und der 12-jährige Shaheen Jafargholi mit Jacksons Titel Who’s Lovin’ You, mit dem er bereits im Finale von Britain’s Got Talent aufgetreten war. Er sollte bei Jacksons geplanter Tour mit Gastauftritten teilnehmen. Als letzte Rednerin trat Jacksons 11-jährige Tochter Paris auf, die den Trauergästen unter Tränen erklärte, ihr „Daddy” sei der beste Vater gewesen, den man sich vorstellen könne. Zwei Stunden vorher nahmen die Familie und enge Freunde auf dem Forest Lawn Friedhof in den Hollywood Hills von ihm Abschied. Insgesamt wurde die Trauerfeier von etwa einer Milliarde Menschen live im Fernsehen verfolgt, davon alleine 20 Millionen in Deutschland.

Am 10. Juli 2009 nahmen rund 6000 Menschen an einer Trauerfeier in Michael Jacksons Geburtsort teil. Zu den prominenten Gästen zählten Jacksons Vater Joe sowie Bürgerrechtler Jesse Jackson.

Am 26. September 2009 findet in Wien vor dem Schloss Schönbrunn ein von seinem Bruder Jermaine Jackson veranstaltetes Tribute-Konzert zu Ehren Michael Jackson statt.

Auto & Motorrad Tuning

07. April 2011

Mit Auto und Motorrad Tuning bezeichnet man individuelle Veränderungen an Personenkraftwagen, Motorrädern und auch Lastkraftwagen, die dem Zweck dienen, die Leistung oder die Fahreigenschaften zu verbessern oder auch das optische und akustische Design zu ändern.

Der Begriff Tuning bedeutet im Wortsinn Feinabstimmung und meint im engeren Sinne die Feinabstimmung des Motors, der Aerodynamik einer Karosserie oder des Fahrwerks zur Leistungssteigerung. Im weiteren Sinn gehört dazu auch zum Beispiel das Aufbohren der Zylinder, der Einbau von Kompressoren zur Aufladung oder die Lachgaseinspritzung, oder gar der Einbau von größeren Motoren.

Begriff

Allgemein werden unter Tuning neben Veränderungen am Motor auch Veränderungen verstanden, die die Straßenlage, Fahrwerkeigenschaften und reine Design-Aspekte (Karosserieform und -farbe) betreffen.

Firmen, die Auto Tuning anbieten, werden allgemein als Auto Tuner bezeichnet.

Für elementare Eingriffe wie der Einbau größerer Motoren in eine Karosserie (siehe auch Hot Rod) wird häufig auch der Begriff Customizing verwendet, der aber nicht nur wie Tuning in der Kernbedeutung auf Leistungssteigerung zielt, sondern begrifflich alle Veränderungen zur Anpassung an die besonderen Wünsche des Eigners umfasst (zum Beispiel Musikanlagen oder die optische Gestaltung eines Vans im Ritter- oder Piratenstil, Umbauten für Jäger, wie der Einbau von Halterungen für Jagdwaffen und einer Wanne für erlegtes Wild). Siehe dazu auch Custom Car.

Beim Fahrzeugtuning unterscheidet man zwischen Motortuning, Fahrwerktuning, Karosserietuning und Innenraumtuning. Meist sind diese Bereiche miteinander verbunden.

Geschichte

Tuning im eigentlichen Sinn hat seinen Ursprung in den 50er-Jahren. Erste Firmen, so genannte Autotuner, beschäftigten sich mit der Abstimmung (engl. to tune) und Leistungssteigerung von Motoren. In der damaligen Zeit war der VW Käfer als weit verbreitetes Fahrzeug ein beliebtes Tuningobjekt.

1953 stellte die Firma Kamei den ersten Spoiler für den Käfer her. Dieser sollte bei Geschwindigkeiten von über 100 km/h für einen höheren Anpressdruck an der Vorderachse sorgen. Die Bezeichnung für diesen ersten Spoiler war Tiefensteuer.

Zu Beginn beschränkte sich das Fahrzeugtuning meist auf reines Motortuning, allenfalls noch wurden notwendige Fahrwerksmodifikationen nachgezogen, die der höheren Leistung Rechnung trugen, wie z. B. Sportstoßdämpfer, oder in wenigen Fällen auch bessere Bremsanlagen.

Seit den 70er-Jahren wurde das Fahrzeugtuning immer beliebter. Zahlreiche Tuningfirmen wurden gegründet. Auffällig waren die vielen angebotenen Extremumbauten. So wurden nicht selten Limousinen, Coupés und Sportwagen, aber auch alle anderen Arten von Fahrzeugen mit Anbauteilen und einer Breite von 2,00 Metern angeboten. Der Begriff Showtuning wurde geprägt.
Ein stark modifiziertes Mercedes SL (Optik angelehnt an den SLR)

GFK-Bomber ist eine abwertende Bezeichnung für ein Fahrzeug, an dem originale Karosserieteile (oft Front- und Heckschürzen sowie die Seitenschweller und Motorhaube) entfernt und durch auffällig geformte Glasfaser-Kunststoffteile (GFK) ersetzt wurden, die sich designtechnisch stark von der ursprünglichen Fahrzeug-Optik abheben.

Etwa seit Ende der 90er-Jahren wurde das Fahrzeugtuning allmählich wieder dezenter. Die Zeit der Extremumbauten durch Tuningfirmen war vorbei. Nur noch selten wurden Fahrzeuge angeboten, die in enormer Weise von den Serienmodellen abwichen. Der Trend ging mehr zu dezenten Umbauten, bei denen ein größerer Wert auf innere Werte und die Technik gelegt wurde als auf äußerliche Auffälligkeit.

Szene

Bei Liebhabern ist Fahrzeugtuning ein beliebtes Hobby, das Fan-Charakter haben kann. Freunde des Tuning sind in vielerlei Hinsicht vernetzt, sie geben Zeitschriften heraus, organisieren Veranstaltungen und Treffen, so dass man von einer Tuningszene bzw. von regionalen Tuningszenen sprechen kann. Bestimmte Automarken und -Modelle waren und sind bei Anhängern des Autotuning besonders beliebt (z. B. Opel Manta, VW Golf GTI, BMW 3er, etc.). Tuning-Fans dieser Modelle schließen sich oft in regionalen Clubs zusammen. Außerhalb ihrer Szene haben Tuning-Fans oft ein sehr spezifisches, klischeehaftes, eher negatives Image. Gemäß diesem Klischee werden Eigenschaften wie Imponierverhalten, prollige Umgangsformen, aggressiver Fahrstil, etc. assoziiert. Insbesondere der Mantafahrer war ein beliebter Gegenstand von Witzen, die diese Stereotypen zum Inhalt hatten.

Unterarten des Fahrzeugtunings

Motortuning
Als Motortuning bezeichnet man in der Regel Maßnahmen, die die Leistung eines Motors erhöhen. Diese reichen vom Chiptuning (Veränderung der elektronischen Motor-Kennfeldsteuerung) bis hin zu einer kompletten Überarbeitung des Motors. Bekannt ist auch die Lachgaseinspritzung. Weitaus motorschonender als eine Lachgaseinspritzung ist besonders bei Fahrzeugen mit Turbolader oder Lade-Kompressor die Wassereinspritzung; diese kann auch zusätzlich zu einem bereits bestehenden (Chip-)Tuning eingesetzt werden.

Nennenswerte Leistungssteigerungen (mehr als 5 % Abweichung von der Serie) müssen vom TÜV eingetragen werden und erfordern häufig weitere Umbaumaßnahmen, um die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs zu erhalten, wie beispielsweise die Verwendung einer stärkeren Bremsanlage oder eines anderen Fahrwerks.

Weit verbreitet ist die Leistungssteigerung mit Hilfe einer Motoraufladung. Diese Varianten sind je nach gewünschtem Ergebnis recht teuer (zwischen 4000 und 10.000 Euro), da anschließend oft weitere Umbauten, beispielsweise an der Antriebstechnik nötig werden. Jedoch stellen diese Möglichkeiten in den meisten Fällen die einzig effektiven Lösungen dar, eine deutliche Leistungssteigerung des Motors zu erreichen, ohne wesentlich die Motor-Lebensdauer zu reduzieren.

Nicht selten werden in Fahrzeugen andere Motoren verbaut, die deutlich mehr Leistung als der ursprüngliche Motor erreichen. Oftmals werden hier sogar Motoren aus anderen Fahrzeugen verwendet.

In der Szene gilt für die Kosten des Motor-Tunings als Faustformel für fachgerecht durchgeführte Tuning-Maßnahmen, dass mit Kosten von rund 100 bis 150 € pro 1 kW messbarer Mehrleistung zu kalkulieren ist.

Vor allem bei Dieselfahrzeugen ist das Chiptuning wirksam. Bedingt durch die Bauart eignen sich moderne Dieselmotoren besonders gut für elektronische Tuning-Maßnahmen. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Motor auch für die Mehrleistung ausgelegt sein muss - dies betrifft insbesondere das Kühlsystem und die Warmfestigkeit der Materialien. Leistungsreduzierte Modelle einer Baureihe, die als Basis den gleichen Motor verwenden wir eine höher motorisierte Variante, weisen aus Kostengründen nicht selten niedriger dimensionierte Kühlsysteme auf und es wird z. B. auf einen Ölkühler in der Serie verzichtet. Eine Wassereinspritzung kann die Ladeluft-, Brennraum- und letztendlich die Abgastemperaturen signifikant senken.

Das klassische Motortuning bei Viertakt-Otto-Saugmotoren umfasst unter anderem folgende Arbeiten: Veränderung der Gemischaufbereitung durch Renneinspritzung oder Mehrfachvergaseranlagen, Vergrößerung und Glättung der Ansaugkanäle, Vergrößerung und Glättung der Ventile, Einbau einer anderen Nockenwelle zur Verbesserung der Überschneidung und größeren Ventilhub - hierdurch bedingt stärkere Ventilfedern, Einbau von Rennkolben (Schmiedekolben) oder Optimierung der vorhandenen Kolben durch Ventiltaschen, Abschleifen oder Abfräsen des Zylinderkopfes bzw. Zylinderblocks zur Erhöhung der Verdichtung - hierdurch bedingt Einbau eines verstellbaren Nockenwellenantriebes um den Höhenunterschied zwischen Nockenwelle und Kurbelwelle wieder auszugleichen, Feinwuchten (und ggf. erleichtern) der Kurbelwelle für höhere Drehzahlen, Polieren der Pleuel zur Vermeidung von Haarrissen - die Pleuel werden bei der Gelegenheit auch auf exakt das gleiche Gewicht gebracht, Einbau einer Kolbenbodenkühlung durch Einspritzung von Öl unter den Kolben, Einbau einer geschotteten Ölwanne, am besten in Verbindung mit einer Trockensumpfschmierung, um das „Panschen” der Kurbelwelle im Öl zu verhindern, Erleichtern des Schwungrades zur Verringerung der Massenträgheit, Optimierung der Zündung durch Zündkerzen mit höherem Wärmewert, meistens Außerkraftsetzen des Zündzeitverstellers - die Zündung wird fest auf „früh” eingestellt.

Hierzu gehören eigentlich auch Veränderungen der Auspuffanlage. Diese verfolgen jedoch häufig ausschließlich Design-Aspekte.

Fahrwerktuning
Als Fahrwerktuning bezeichnet man Veränderungen im Bereich der Federn und Stoßdämpfer eines Fahrzeuges. Meistens werden hierbei kürzere Federn und stärkere Stoßdämpfer eingesetzt, um die Karosserieneigung bei Kurvenfahrten abzuschwächen. In der Regel wird hierbei auch die Bodenfreiheit des Fahrzeuges verringert, wodurch der Schwerpunkt der Karosserie nach unten verlagert wird („Tieferlegen”).

Bei Geländewagen kann die Bodenfreiheit durch ein Fahrwerktuning auch erhöht werden („Höherlegen”).

Tieferlegung
Unter Tieferlegung versteht man gemeinhin das Absenken der gesamten Fahrzeugkarosserie durch Tausch von Fahrwerkskomponenten. Hier sind grundsätzlich mehrere Varianten möglich.

Tieferlegungsfedern
Diese Variante sieht einen Austausch der Fahrwerksfedern durch Tieferlegungsfedern bei Verwendung der Serienstoßdämpfer vor. Dieser Umbau ist mit geringen Kosten verbunden, zieht aber langfristig die Stoßdämpfer in Mitleidenschaft.

Sportfahrwerke
Bei einem Sportfahrwerk wird das Gesamtfahrwerk, also Federn und Stoßdämpfer, ausgetauscht. Dieser Tausch gegen aufeinander abgestimmte Komponenten ist empfehlenswert, aber auch deutlich teurer als die Verwendung von Tieferlegungsfedern.

Stabilisatoren
Sind an den Achsen Stabilisatoren verbaut, kann durch den Verbau härterer Stabilisatoren (Stäbe größeren Durchmessers) die Seitenneigung bei Kurvenfahrt (Rollen) stark verringert werden, ohne die durch das Tieferlegen verursachte Verhärtung der Federung gegenüber Fahrbahnquerfugen in Kauf nehmen zu müssen. Diese einfache und kostengünstige Maßnahme, die auch ohne eine Absenkung des Fahrzeugschwerpunktes eine Verbesserung der dynamischen Fahreigenschaften darstellt, wird oft von Serienherstellern in Kombination mit werksseitig angebotenen Sportausstattungen (z. B. M-Sportpaket) ergriffen und ist in vielen Teilen der Tuningszene, die sich auf Federung und Dämpfer beschränkt, weitgehend unbekannt.

Gewindefahrwerke
Gewindefahrwerke lassen sich in der Höhe verstellen. Sie sind den Rennsportfahrwerken sehr ähnlich und lassen sich teilweise sogar in Härte und Zugstufen separat verstellen.

Lowrider
Als spezielle Tuningform sind Lowrider zu erwähnen. Bei dieser Form handelt es sich um tiefgreifende Umbaumaßnahmen im Bereich des Fahrwerks. Die serienmäßigen Fahrwerke werden ersetzt durch:

Luftfederung oder Air Ride-Fahrwerke
Diese Fahrwerke zeichnen sich durch ihre Luftfederung aus, mit der sowohl die Härte, als auch die Tieferlegung in Sekundenschnelle geändert werden kann. Benötigt wird hierzu ein Kompressor sowie an jeder Achse zwei Luftfederungsstoßdämpfer. Die Einstellung erfolgt über Kompressoren, die in der Regel im Auto integriert werden. Es gibt aber auch externe Konstruktionen, bei denen der Luftdruck über normale Reifendruckfüllgeräte an der Tankstelle fest eingestellt wird. Diese Art der Fahrwerksänderung dient bevorzugt der veränderlichen Optik der Tieferlegung und weniger dem veränderlichem Fahrverhalten durch die Fahrzeughöhe, wobei allerdings bei den neusten Air-Ride-Fahrwerken auch die Härte verstellbar ist. Mittlerweile sind solche Fahrwerke auch mit Gutachten erhältlich. Siehe Airride.

Hydraulik-Fahrwerke
Die serienmäßigen Federungs- und Dämpfungselemente werden bei Wettbewerbsfahrzeugen durch Hydraulikstempel ersetzt. Sogar die Bedienung über eine (Kabel-)Fernbedienung ist möglich, welche externes Einstellen der Fahrzeughöhe, manchmal auch der einzelnen Stoßdämpfer, zu Showzwecken ermöglicht.

Weitere Maßnahmen des Fahrwerktunings

Domstreben
Als Erweiterung zur Tieferlegung dienen Domstreben zur Verstärkung der Karosserie, welche durch den geänderten Schwerpunkt und die oftmals härtere Federung stärkeren Belastungen ausgesetzt ist, als dies bei einem Serienfahrwerk der Fall ist. Domstreben verbinden entweder die beiden so genannten Dome, welche die Stoßdämpfer aufnehmen, oder werden direkt auf den Stoßdämpfern montiert und verbinden diese miteinander. Des Weiteren verbessert sich in diesem Zusammenhang das Kurvenfahrverhalten.

Fahrwerkslagerungs-Buchsen
Eine weitere Verbesserungsmöglichkeit nach dem Einbau einer Tieferlegung ist, die Gummipuffer (z. B. Querlenker, Stabilisator oder Domlager) gegen härtere, beispielsweise aus mit Teflon beschichtetem Kunststoff, zu ersetzen. Der Austausch dieser Fahrwerkslagerungen hat zur Folge, dass Lenkbewegungen deutlich schneller und präziser vom Fahrzeug umgesetzt werden können. Das Handling eines Fahrzeuges, das über ein entsprechend hochwertiges Fahrwerk verfügt und dessen Fahrwerkslagerungs-Buchsen durch verstärkte Versionen ersetzt worden sind, ermöglicht eine deutlich sportlichere Fahrweise und gleicht dem eines Karts.

Felgen und Reifen
Zum Fahrwerktuning zählt auch der Einsatz anderer Rad-/Reifenkombinationen. Hier finden in der Regel Leichtmetallfelgen aus Aluminium, in seltenen Fällen auch Magnesium oder Kohlefaser-Verbundwerkstoffen, mit größerer Breite und größerem Durchmesser Verwendung. Die Reifen weisen oft einen niedrigeren Querschnitt auf und sind meist breiter als bei den Serienmodellen. Hierdurch erhöht sich die Haftung und Stabilität des Fahrzeuges auf der Straße, so dass oft deutlich höhere Kurvengeschwindigkeiten erreicht werden können. Zu reinen Showzwecken kommen vermehrt extravagante Modelle, oftmals verchromt und häufig mit Goldapplikation oder gar Edelsteinen verziert, zum Einsatz.

Karosserietuning
Als Karosserietuning bezeichnet man Veränderungen an der Fahrzeugkarosserie. Diese reichen vom Anbringen eines Spoilers bis hin zur kompletten Veränderung der Karosserie, die meist durch Anbauteile oder den Austausch von Serienteilen erfolgt. Komplettumbauten nach Bausätzen werden als Kitcar bezeichnet.

Hierbei unterscheidet man zwischen Maßnahmen, die alleine dem Zweck einer Veränderung des optischen Erscheinungsbildes des Fahrzeugs dienen und solchen, die aufgrund ihrer aerodynamischen Eigenschaften das Fahrverhalten des Fahrzeuges bei höheren Geschwindigkeiten verbessern.

Weitgehende Umbauten betreffen das Ersetzen ganzer Karosseriebereiche durch Umbauten, zum Beispiel dem Einbau von Flügeltüren oder Scherentüren. Solche Umbauten werden auch Extremtuning genannt.

Hot Rod

Chopping
Das Chopping (auch Top-Chop) ist eine Technik, bei der die A-, B-, C-Säulen eines Autos in der Länge eingekürzt werden. Damit soll die optische Gürtellinie des Fahrzeugs angehoben werden. Zudem verkleinert sich die Fensterfläche und das Dach wird niedriger.

Channeling
Das Channeling auch Tieferlegen, von engl. channel (Kanal), bewirkt eine Absenkung der gesamten Karosserie über den Rahmen des Fahrzeugs. Dies erfolgt durch das Einschweißen einer Vertiefung (Kanal)in die Unterseite der Karosserie.

Sectioning
Beim Sectioning wird aus der Karosserie des Fahrzeuges ein horizontaler Streifen entfernt.

Cleaning
Das Cleaning, von engl. clean (sauber), bezeichnet die Demontage von Zierleisten, Türgriffen, Schriftzügen und Abdeckungen sowie das anschließende Schließen der entstandenen Löcher mit Blech. Die Karosserie wird also von optisch störenden (Funktions-)Elementen gesäubert.

Lowering
Das Lowering umfasst die optische und technische Absenkung der Karosserie (siehe Lowrider). Dazu wird ein Fahrzeug mit einem Channeling oder einem „Airride” versehen.

California Look
Der Begriff Cal Look (englisch) bezeichnet speziell getunte VW Käfer.

Diese Stilrichtung prägte die VW-Käfer-Szene weltweit. Bereits Ende der 60er Jahre entstand diese Art des Käfer-Tunings in Orange County, südlich von Los Angeles. Erst einige Jahre später wurde der Stil richtig publik, als Jere Alhadeff in der 75er Februar-Ausgabe der Hot VWs dem Kind einen Namen gab: California Look.

Die Intention des Cal Looks ist einfach: Der harmlose Käfer sollte durch den Verzicht auf unnötigen Zierrat noch unauffälliger gemacht werden und mittels eines starken Motors für überraschende Momente an der Ampel und auf dem Dragstrip sorgen. Als Basis für Cal Looker werden alle älteren luftgekühlten Volkswagen verwendet, wobei die beliebtesten Modelle wohl vor Baujahr 1968 sind.

Innenraumtuning
Als Innenraumtuning bezeichnet man Veränderungen im Bereich des Fahrzeuginnenraumes. Oft werden dabei hochwertigere oder ausgefallenere Materialien als beim Serienfahrzeug verbaut oder Teile hinzugefügt.

Eine spezielle Art des Innenraumtunings sind Veränderungen durch Multimedia-Geräte, wie zum Beispiel Audioanlagen, Lautsprecherboxen, DVD-Spieler oder ähnliches. Dies führt in Extremfällen zur völligen Fahruntüchtigkeit des Fahrzeugs.

Beleuchtung
Änderungen der Beleuchtung umfassen

- Austausch von Leuchtmitteln gegen solche mit Farbfiltern oder andere Lichtquellen
- zusätzliche Leuchten

- Leuchten im Innenraum (oft Leuchtröhren oder Leuchtdioden)
- Leuchten im Außenbereich (z. B. zusätzliche Positionsleuchten an Lastkraftwagen, Leuchtröhren unter dem Fahrzeug bei Personenkraftwagen, Zusatzscheinwerfer)

Zusätzliche Leuchten sind oft nicht zulassungsfähig, dazu gehört auch eine hellere Innenraumbeleuchtung, sofern diese nach außen strahlt.

Hobbytuning
Während ein professionelles Fahrzeugtuning meist von Fachleuten in Fachbetrieben durchgeführt wird (sogenanntes Edeltuning), wobei die einzelnen Komponenten aufeinander abgestimmt sind, gibt es auch so genannte „Hobbytuner” aus dem privaten Bereich. Diese verändern ihre Fahrzeuge sowohl außen, als auch im Innenraum mit Teilen aus dem Fahrzeugzubehörhandel oder mit Teilen aus anderen Fahrzeugen selbst, oder beauftragen Dritte, wie Kfz-Werkstätten oder Autosattler mit den Arbeiten nach ihren Vorstellungen.

Das Resultat solcher Maßnahmen basiert meistens sehr auf den Vorlieben des Fahrzeugbesitzers und trifft oft nicht den Geschmack der breiten Masse. Hierbei sind die Grenzen, ab welchen Veränderungen man von Tuning spricht, nicht klar gesetzt.

Tuning im Modellbau
Nicht nur im Bereich echter Fahrzeuge wird Tuning betrieben. Auch im Modellbau-Bereich beschäftigen sich Freunde des Tunings mit den zahlreichen Möglichkeiten, Serienfahrzeuge zu veredeln. Besonders hervorzuheben ist das Tuning von Modellautos. Dieses Hobby erfreut sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Besonders durchgesetzt hat sich hierbei der Modellbau-Maßstab 1:18.

Roller & Scooter Tuning

07. April 2011

Scootertuning bezeichnet das Roller Tuning von Motorrollern (engl. Scooter). Die meisten Roller haben einen Hubraum von etwa 50 cm³ und eine gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h (Mofa) oder 45 bzw. 50 km/h. Diese Roller können mit entsprechendem Fachwissen und finanziellen Möglichkeiten auf Geschwindigkeiten von über 140 km/h und rund 20 kW und mehr Leistung am Hinterrad gebracht werden. Manche getunte Roller (70 oder 80 cm³-High-End-Zylinder vorausgesetzt) erreichen Geschwindigkeiten von mehr als 140 km/h. Damit trotz solcher Umbauten die Betriebserlaubnis erhalten bleibt, ist eine Ummeldung und Vollabnahme der Umbauten beim TÜV erforderlich. Dies zieht Einzelabnahmen, Abgasuntersuchungen und Festigkeitsprüfungen (Rahmen, Fahrwerk) beim TÜV nach sich. Zudem wird für das Führen dieser Fahrzeuge ein anderer Führerschein benötigt, da der M-Führerschein eine Hubraumbegrenzung von 50 cm³ und eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 45 km/h hat.

Technik
Es gibt viele Möglichkeiten, die Motorleistung eines Rollers zu steigern, da die Zweitakt-Motoren erhebliches Tuning-Potential aufweisen. Diese Änderungen verstoßen jedoch in den meisten Fällen gegen die Straßenverkehrsordnung, sobald man den Roller im öffentlichen Straßenverkehr bewegt.

Drosseln
Entdrosselt ist ein Roller, wenn die Höchstgeschwindigkeit nicht durch technische Maßnahmen eingeschränkt ist. Umgangssprachlich wird dieser Zustand auch als offen bezeichnet.

elektrische Drosseln (Zündung / Einspritzung)
Ab einer bestimmten Drehzahl setzt der Zündfunke aus, und der Roller kann nicht weiter beschleunigen. In vielen modernen Rollern verbaut, oft in Verbindung mit einem Distanzring. Meistens muss die CDI (Zündung) gegen eine offene getauscht werden, nur bei wenigen Modellen (besonders bei Modellen vor dem Baujahr 2003) kann man die elektrische Drossel umgehen indem man sie abklemmt.

Distanzring
Der Distanzring befindet sich in der Variomatic zwischen dem Variator und der Steigscheibe (fälschlich bekannt als Lüfterrad) unter dem Keilriemen. Er sorgt dafür, dass der Keilriemen nicht auf die äußerste Bahn gehen kann und so seine Endübersetzung (Endgeschwindigkeit) nicht erreichen kann.

Auspuff
Der Originalauspuff ist bei fast jedem Roller gedrosselt. Der Querschnitt des Krümmers wird reduziert (durch einen Konus oder eine U-Scheibe), ein Blindrohr wird montiert, oder am Einlass oder am Endschalldämpfer ist eine Verengung. Diese Verengung hat zur Folge, das es die Resonanz des Auspuffes beeinflusst bzw.stört, was sich durch einen Leistungsabfall bemerkbar macht.

Axialwegbegrenzer
Der Axialwegbegrenzer ist eine neuere Methode den Roller auf 25km/h zu drosseln. Er ist eine Drosselscheibe, die auf den Variator geschraubt wird, welche verhindert, dass die Steigscheibe mit den Gewichten ganz aufsteigen kann und somit kann der Roller seine Endübersetzung nicht erreichen.

Gasschieberanschlag
Der Gasschieberanschlag ist eine typische Mofaroller-Drossel. Er ist am Vergaser montiert und sorgt dafür, dass sich der Gasgriff nur noch z. B. zur Hälfte drehen lässt. So ist kein Vollgas möglich. Ein Ausbau dieser Drossel ohne Ausbau des Distanzringes kann den Motor durch Überdrehen schädigen.

Ansaugstutzen
Das Verbindungsstück zwischen Vergaser und Kurbelgehäuse, der sogenannte Ansaugstutzen, wird in seinem Querschnitt verengt um die Leistung zu verringern und Tuningvorhaben zu erschweren. Er lässt sich auffräsen oder durch einen offenen oder einen Roller Tuning Ansaugstutzen (kurz ASS) ersetzen. Diese Veränderung bringt aber unter Beibehaltung des Original-Vergasers kaum Leistungszuwachs.

Luftfilter
Meist durch einen „Schnorchel” gedrosselt, damit weniger Luft angesaugt wird. Man kann entweder den „Schnorchel” entfernen oder einen Tuning-Luftfilter (auch „Pilz” genannt) verbauen. Bei jeder Veränderung am Luftfilter muss der Vergaser neu bedüst werden, da sich das Luft-Benzingemisch verändert, wenn der Vergaser mehr Luft zieht. Wenn man den Vergaser nicht neu bedüst, kann es zu einem Kolbenklemmer oder sogar zum Kolbenfresser führen, da sich zuviel Luft im Bezinluftgemisch befindet, was die innere Kühlung des Zylinders beeinflusst, da sich das Metall durch die Hitze der zu heißen Verbrennung ausdehnt. Bei Tuningluftfiltern wird der Roller durch das Ansauggeräusch deutlich lauter und bei guter Abstimmung erhält man einen Leistungsschub von bis zu 15%.

Wandler
Die neueren Rollermodelle (Stand 2007) haben eine Art „Hülse” zwischen dem Wandler und der Kupplung auf dem Federteller, welche verhindert, dass der Roller seine Endübersetzung erreichen kann, da der Wandler nicht ganz auseinandergehen kann.

Vergaser
Oft werden kleine Vergaser (12-14 mm) mit kleinen Hauptdüsen verbaut, was weniger Verbrauch aber auch weniger Leistung zur Folge hat.

Übersetzung
Bevor Variomatik und Elektronik begannen, im Kleinkraftradbau Einzug zu halten, war es üblich, die Übersetzung der Kraftübertragung des Fahrzeugs so anzupassen, dass nur eine bestimmte Drehzahl (und damit Geschwindigkeit) im höchsten Gang erreicht werden konnte. Durch Einbau eines größeren Ritzels konnte dies umgangen, bei Kontrollen aber auch leicht überprüft werden, da die Zahl der Zähne des Kettenritzels und -rades in den Papieren festgehalten wurden. Vor allem bei Mofas war dies sinnvoll; um eine Geschwindigkeit von 25 km/h zu erreichen, benötigt ein Mofa rund 0,7 PS - was aber zu wenig für eine verkehrstaugliche Beschleunigung ist. Üblicherweise hatten diese 1,4 PS und ein „zu kleines” Ritzel, sodass die Motorleistung bei 15 km/h maximal war und bis 25 km/h auf rund 0,7 PS abfiel. Ein Mofa mit größerem Ritzel kam so mit seinen 1,4 PS auf rund 40 km/h.

Tuning-Komponenten
* kompaktere Zylinder mit mehr Hubraum (50 cm³ bis zu >80 cm³)

Bekannte Hersteller von Zylindern sind Airsal, Diffusione Ricambi (DR), Fabrizzi, Hebo, Italkit, Malossi, Metrakit, Polini, Stage6 (Athena), Top Performances, Team Christofolini (TCR) und TRT (2Fast 80 cm³).

Bei einem Zylinder-Austausch sollte der Vergaser neu bedüst werden oder ein größerer Vergaser mit entsprechender Bedüsung verbaut werden. Ebenfalls müssen zur Abstimmung des Motors die Variomaticgewichte, gegenbenfalls die Gegendruckfeder und die Kupplungsfedern geändert werden, da jeder Zylinder auf eine andere Drehzahl ausgelegt ist.

* Austausch der Kurbelwelle

Bekannte Hersteller für Kurbelwellen sind Stage6, Doppler, Hebo, 2Fast, Italkit (Alferre), Malossi (MHR), Metra Kit, Motorforce, Bgm, Polini, Top Performance. Die Kurbelwelle übersetzt die Kraft; sie wandelt die Hubbewegung des Kolbens in eine Drehbewegung um. Bei dem Zweitakter ist der Kurbelwellenkasten - oder auch Kurbelwellengehäuse genannt - für das Ansaugen und das Vorverdicheten des Luft-Öl/Benzin Gemisches zuständig. Viele Hersteller haben im Namen ihrer Racingwellen das Kürzel „HPC” angefügt. HPC steht für High-Primary-Compression (erhöhte Vorverdichtung); diese „Funktion” ist aber bei fast jeder Tuningkurbelwelle gegeben, da die meisten so genannte Vollwangenwellen sind.

* Veränderungen am Auspuff (beliebt sind Resonanz-Sportauspuffe)

Bekannte Hersteller von Auspuffen sind Bidalot, Doppler, DPR, Giannelli, Hebo, Kundo, Laser, Leo Vince, Malossi, Metrakit, Polini, Stage6, Tecnigas, TJT, TNT, Top Performances und Yasuni.

* größere Vergaser bewirken bessere innere Kühlung und bessere Befüllung des Zylinders mit Gasgemisch.

Bekannte Hersteller sind Arreche, Dell’Orto, Koso, Mikuni, Bing, KeiHin und Stage6 die von 12 mm bis zu 32 mm hinreichen. Zur Optimierung des Vergasers wird häufig auch ein anderer Luftfilter eingesetzt, damit mehr Luft angesaugt werden kann, jedoch muss man dann den Vergaser mit größeren Hauptdüsen und in seltenen Fällen auch größeren Nebendüsen abstimmen.

* Tuning-Variatoren für besseres Schaltverhalten und dadurch bessere Beschleunigung und Endgeschwindigkeit.

Bekannte Hersteller sind Malossi, Polini, Hebo, Top Performances und Stage 6

* kürzere / längere Getriebe für bessere Beschleunigung / mehr Endgeschwindigkeit

* Tuning-Kupplungen zur Abstimmung des Rollers. Damit die Kraft des Motors optimal auf das Hinterrad übertragen werden kann. Ein Durchrutschen der Kupplung wird somit auch verhindert.

* verstärkte Keilriemen

* Gegendruckfedern, verhindern ein Durchrutschen des Keilriemens bei stark getunten Motoren.

* Membranblöcke sind luftströmungsoptimiert und haben Membranen aus Carbon, diese öffnen sich schneller und der Motor erzielt ein besseres Ansprechverhalten, er erreicht schneller höhere Drehzahlen. Außerdem trägt der Motor keinen Schaden davon, falls die Membrane brechen und ins Kurbelgehäuse fliegen, da sich das Carbon auflöst. Mit normalen Stahlmembranen wäre ein Motorschaden nach dem Bruch unvermeidbar.

Bekannte Hersteller sind Malossi, Polini und Stage6.

* Innenrotorzündungen werden zur Verringung der bewegten Masse verbaut. Es werden so schneller höhere Drehzahlen erreicht. Sie erzeugt auch einen stärkeren und besseren Zündfunken und man kann den Zündzeitpunkt frei bestimmen.

Customizing
In einigen Fällen passt nicht alles perfekt, dann wird das „Customizing Tuning” angewandt. Damit bezeichnet man den Umbau bzw. die Anpassung eines Serienproduktes an die eigenen Wünsche. Dabei wird z. B. der Auspuff zum Teil mit einem Winkelschleifer abgetrennt („abgeflext”) und mit einem anderen Teil eines Auspuffes wieder zusammengeschweißt, damit alles passt. Am häufigsten wird beim Customizing der Rahmen geändert, dass der Motorblock fest verbaut und montiert werden kann.

Kaiser Wilhelm I

07. April 2011

Wilhelm I. (* 22. März 1797 als Wilhelm Friedrich Ludwig in Berlin; † 9. März 1888 in Berlin) war seit 1858 Regent und seit 1861 König von Preußen sowie ab 1871 Deutscher Kaiser.

Wilhelm war konservativ und hatte wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung der Revolution von 1848 den Beinamen Kartätschenprinz erhalten. Dennoch bedeutete sein Antreten als amtierender König 1858 eine gewisse Liberalisierung. Noch während des Deutsch-Französischen Krieges 180/1871 hatte er sich dem Gedanken widersetzt, zusätzlich Deutscher Kaiser zu werden, erlangte aber im Kaiserreich große Popularität. Seine Regierungszeit war wesentlich vom Wirken Otto von Bismarcks als preußischem Ministerpräsidenten und Reichskanzler geprägt.

Frühe Jahre
Wilhelm war der zweite Sohn Friedrich Wilhelms III. (1770-1840) und der Königin Luise, Tochter des Herzogs Karl II. von Mecklenburg-Strelitz. Seine Erziehung wurde von Johann Friedrich Gottlieb Delbrück übernommen, der zuvor Rektor des Magdeburger Pädagogiums gewesen war.

Am 1. Januar 1807 - Preußen hatte am 14. Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt eine vernichtende Niederlage gegen Napoleon hinnehmen müssen - ernannte sein Vater den neunjährigen Wilhelm zum Leutnant. Trotz seiner früh beginnenden, steilen militärischen Karriere zeichnete sich Wilhelm durch eine bemerkenswerte Bescheidenheit und Selbsterkenntnis aus: „Wäre ich nicht als Sohn eines Königs geboren worden, wäre ich wohl Unteroffizier geworden.”

1814 begleitete er, zum Hauptmann ernannt, seinen Vater auf den Feldzug in Frankreich, erwarb sich bei seiner Feuertaufe bei Bar-sur-Aube am 26. Februar das Eiserne Kreuz, zog am 31. März mit in Paris ein, folgte seinem Vater auch beim Besuch in England und führte, am 8. Juni 1815 konfirmiert und zum Major ernannt, ein Bataillon des 1. Garderegiments von neuem nach Frankreich, wo indes der Krieg schon zu Ende war. Am 1. Januar 1816 erhielt er das Kommando des Stettiner Gardelandwehrbataillons, 1818 als Generalmajor das Kommando einer Gardeinfanteriebrigade, am 1. Mai 1820 den Oberbefehl über die 1. Gardedivision und 1825, als Generalleutnant, die Führung des Gardekorps.

Auch in Staatsangelegenheiten wurde er vom König zur Beratung herangezogen. Wiederholt wurde er in Staats- und Familienangelegenheiten an den Petersburger Hof gesandt.

Ehe und Kinder
Nachdem er 1826 auf die Heirat mit der Prinzessin Elisa Radziwill verzichtet hatte, weil diese vom König nicht als ebenbürtige Partnerin eines preußischen Prinzen angesehen wurde, vermählte er sich am 11. Juni 1829 mit der Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, der Tochter des Großherzogs Carl-Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach, deren Schwester Maria die Gemahlin seines jüngeren Bruders Karl war.

Die Ehe kam allein auf Betreiben seines Vaters zustande und verlief nicht sonderlich glücklich. Die intelligente, musisch begabte und am Weimarer Hof liberal erzogene Augusta war ihrem Mann intellektuell überlegen und fühlte sich am steifen und nüchternen Berliner Hof nicht wohl; Wilhelm fühlte sich dagegen von seiner Frau auch sexuell nicht angezogen. Ihm gelang es jedoch, seine Liebschaften sowohl vor seiner Frau als auch vor der Öffentlichkeit verborgen zu halten. Aus der Ehe gingen lediglich zwei Kinder hervor:

Friedrich Wilhelm (1831-1888) ∞ 1858 Prinzessin Victoria von Großbritannien und Irland (Tochter von Königin Victoria.)
Luise (1838-1923) ∞ 1856 Großherzog Friedrich I. von Baden.

Augusta war darüber hinaus auch politisch interessiert; sie versuchte zeitlebens, ihren Mann in Richtung einer liberaleren Haltung zu beeinflussen, was ihr wohl zeitweise (so galt Wilhelm in den Fünfziger Jahren geradezu als die große Hoffnung der Liberalen), aber nicht dauerhaft gelang. Otto von Bismarck schrieb viele Jahre später in seiner Autobiographie Gedanken und Erinnerungen über Wilhelms eigenwillige Gemahlin, dass sie zwar von hohem Pflichtgefühl getragen sei, aber auf Grund ihres königlichen Empfindens keine Autorität als ihre eigene gelten ließe.

Ab 1835 diente Schloss Babelsberg Wilhelm und Augusta als Sommersitz.

Prinz von Preußen
Nach dem Tod seines Vaters (1840) erhielt er als präsumtiver Thronfolger seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. den Titel „Prinz von Preußen” und wurde bald darauf zum General der Infanterie befördert.

Im März 1848 setzte sich Prinz Wilhelm unter dem Druck der Ereignisse der Märzrevolution zwar für die Bewilligung einer konstitutionellen Verfassung ein, wollte aber dennoch die Barrikadenrevolution vom 18. März 1848 in Berlin unter der Führung des Commandanten der Bürgerwehr, Major Otto Rimpler, mit militärischer Gewalt niederschlagen lassen. Er plädierte dafür, das Militär aus der Stadt abzuziehen und diese von außen mit Kanonen (Kartätschen) sturmreif zu schießen. Deswegen wurde er „Kartätschenprinz” genannt.

Nach den Forschungen von Rüdiger Hachtmann von 1997 blieb dem preußischen Militär am 19. März angesichts der heftigen Barrikadenkämpfe nur der Weg des Rückzugs, wollte es unter dem zermürbenden Straßenkampf nicht nach und nach aufgerieben, politisiert oder nervlich zerrüttet werden. Prinz Wilhelm war wegen seines Plädoyers für eine militärische Lösung bei den Anhängern der Revolution derart verhasst, dass er vom klug taktierenden König den Befehl erhielt, umgehend nach London zu reisen. Am 20. März wurde das Berliner Palais des Prinzen durch einen einfachen Mann vor Brandstiftung und Zerstörung gerettet, der auf die Wand die Worte „National-Eigentum” schrieb.

Der Prinz floh mit Hilfe seines aus Bremen stammenden Adjutanten August Friedrich Oelrichs (1801 bis 1868) aus Berlin und reiste nun unter dem Pseudonym Wilhelm Oelrichs am 23. und 24. März nach London, wo er mit Prinzgemahl Albert, Robert Peel, John Russell, Henry John Palmerston und anderen Staatsmännern verkehrte und seine politischen Anschauungen klärte. An den deutschen Einheitsbestrebungen nahm er lebhaften Anteil. Die Berliner sangen derweil Spottlieder auf ihn:

Schlächtermeister Prinz von Preußen
komm doch, komm doch nach Berlin!
Wir wollen Dich mit Steinen schmeißen
und die Barrikaden ziehn.

Prinzessin Augusta weilte derweil mit den zwei Kindern in Potsdam. Anfang Juni kehrte Wilhelm nach Berlin zurück. Am 30. Mai hatte sich der Prinz in Brüssel öffentlich und schriftlich zur konstitutionellen Regierungsform für Preußen bekannt und so auf die Demonstration von 10.000 Berlinern gegen seine Rückkehr reagiert. Zum Abgeordneten in die preußische Nationalversammlung gewählt, nahm er zwar das Mandat an, aber, nachdem er in einer kurzen Rede seine konstitutionellen Grundsätze dargelegt hatte, kündigte er die Niederlegung seines Abgeordnetenmandats an und kehrte nach Potsdam zurück. Im September ernannte der König auf seinen Vorschlag einige Minister des neuen gegenrevolutionären Ministeriums des Generals von Pfuel.

Am 8. Juni 1849 wurde Wilhelm zum Kommandierenden der „Operationsarmee in Baden und in der Pfalz” ernannt. Nachdem er bei Ingelheim einem Attentat glücklich entgangen war, unterwarf er in wenigen Wochen die Truppen der Aufständischen in der Pfalz und in Baden (vergleiche Badische Revolution). Mit der Einnahme Rastatts, der letzten Bastion der Revolutionäre, durch Truppen unter seiner Führung wurde zugleich auch die Märzrevolution in Deutschland endgültig niedergeschlagen. Am 19. August zog er zusammen mit dem Großherzog von Baden feierlich in Karlsruhe ein.

Am 12. Oktober zog er an der Spitze von Truppen, die in Baden gekämpft hatten, in Berlin ein, wurde zum Militärgouverneur am Rhein und in Westfalen ernannt und nahm seinen Wohnsitz in Koblenz; 1854 wurde er zugleich Generaloberst der Infanterie mit dem Rang eines Feldmarschalls und Gouverneurs der Festung Mainz.

Die Koblenzer Jahre
Augusta und Wilhelm von Preußen residierten gemeinsam im Kurfürstlichen Schloss in Koblenz von 1850 bis 1858. Insbesondere Prinzessin Augusta fühlte sich in Koblenz wohl; hier hatte sie endlich die Gelegenheit, ein Hofleben zu gestalten, wie sie es aus ihrer Kindheit am Weimarer Hof gewöhnt war. Ihr Sohn Friedrich studierte im nahen Bonn Rechtswissenschaften und war damit der erste preußische Thronfolger, der eine akademische Ausbildung erhielt. Auch daran war Augustas Einfluss maßgeblich beteiligt.

Am Koblenzer Hof verkehrten insbesondere auf das Betreiben von Prinzessin Augusta hin liberale Menschen wie der Historiker Maximilian Duncker, die Rechtsprofessoren August Moritz von Bethmann-Hollweg und Clemens Theodor Perthes sowie Alexander von Schleinitz. Auch Wilhelm nahm unter dem Eindruck der 1848er Revolte eine politisch gemäßigtere Haltung an, die bei seinem regierenden Bruder auf Unwillen stieß. Kritisch wurde Prinzessin Augustas tolerante Haltung gegenüber dem Katholizismus beobachtet, die in der Koblenzer Zeit besonders offensichtlich wurde - eine Haltung, die man in einer Zeit, als die religiöse Konfession noch eine große Bedeutung hatte, bei einer preußisch-protestantischen Prinzessin als unpassend empfand.

Die Neue Ära
Die früher dem Prinzen ungünstige Stimmung war infolge seiner Zurückhaltung gegenüber den extremen Positionen der politischen und kirchlichen Reaktion und des Junkertums so sehr in das Gegenteil umgeschlagen, dass er, besonders seit den Verwicklungen mit Österreich und seit dem Krimkrieg, als Hauptvertreter der Machtstellung Preußens galt, und dass alle Hoffnungen der patriotischen und liberalen Partei sich ihm zuwandten, als er während der psychischen Erkrankung des Königs am 23. Oktober 1857 als dessen Stellvertreter und ab 7. Oktober 1858 als Regent an die Spitze der Regierung trat. Nachdem er am 26. Oktober den Eid auf die Verfassung geleistet hatte, berief er am 5. November das liberale Ministerium Hohenzollern („Neue Ära”) und legte am 8. November in einem Erlass an dieses seine Regierungsgrundsätze und Ziele dar.

Zwar betonte er, dass von einem Bruch mit der Vergangenheit nicht die Rede sein könne; er erklärte sich aber entschieden gegen alle Scheinheiligkeit und Heuchelei; ebenso sprach er sich dagegen aus, dass Preußen sich in der auswärtigen Politik fremden Einflüssen hingebe, vielmehr müsse es durch eine weise Gesetzgebung, Hebung aller sittlichen Elemente und Ergreifung von Einigungsmomenten in Deutschland Eroberungen zu machen suchen. Diese Aussagen fanden im Volk und bei dem neu gewählten, überwiegend liberalen Abgeordnetenhaus Beifall, da vor allem der Einfluss der kirchlichen Reaktion und die russische Politik Friedrich Wilhelms IV. Unwillen hervorgerufen hatten, und wurden fast allein beachtet; viel zu wenig dagegen die Worte des Prinzen, in denen er von der notwendigen Heeresreform und den dazu erforderlichen Geldmitteln sprach, da Preußens Heer mächtig und angesehen sein müsse, wenn Preußen seine Aufgabe erfüllen solle.

Dies sah der Prinz als seine Hauptaufgabe an, und der Verlauf der Ereignisse von 1859, als die Mobilmachung auf große Schwierigkeiten stieß und bedeutende Mängel im Heerwesen aufdeckte, konnte ihn nur darin bestärken. Die Majorität des Abgeordnetenhauses war jedoch nicht bereit, im Vertrauen auf des Prinzen konstitutionelle und deutsch-nationale Gesinnung und Politik die Mehrkosten der 1860 eingebrachten durchgreifenden Heeresreorganisation definitiv zu bewilligen.

König von Preußen

Krönung
Nach dem Tod seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. am 2. Januar 1861 bestieg Wilhelm den preußischen Thron. Am 18. Oktober 1861 fand die prachtvolle Krönungsversammlung in Königsberg statt. Wilhelm setzte sich selbst die Krone aufs Haupt und nahm das Zepter, den Reichsapfel und das Reichsschwert vom Altar, danach krönte er seine Frau zur Königin und sagte: „Von Gottes Gnaden tragen Preußens Könige seit 160 Jahren die Krone. Nachdem durch zeitgemäße Einrichtung der Thron umgeben ist, besteige ich ihn als König. Aber eingedenk, dass die Krone nur von Gott kommt, habe ich durch die Krönung an geheiligter Stätte bekundet, dass ich sie in Demut aus freien Händen empfangen habe.”

Die Krönung stellte einen Kompromiss zwischen der von Wilhelm bevorzugten Erbhuldigung und der von der Verfassung vorgeschriebenen Eidesleistung des Königs im Parlament dar und verstärkte das Misstrauen gegen die konstitutionellen Ansichten des Königs. Interessanterweise stellt Menzel in seinem Gemälde „Krönung Wilhelms I.” nicht die eigentliche Krönung, sondern die Eidesleistung des neuen Königs dar. In gleicher Weise wurde der König, als Statue, auch auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz in Königsberg dargestellt.

Erstes Attentat
Am 14. Juli 1861 verübte der Student Oskar Becker in Baden-Baden ein Attentat auf Wilhelm, verwundete ihn aber nur leicht am linken Bein.

Der Verfassungskonflikt
Die Neuwahlen am 6. Dezember 1861 wurden durch die neu gegründete Deutsche Fortschrittspartei sehr deutlich gewonnen (auf Anhieb mit 104 Abgeordneten in der Kammer) und mit dem Rücktritt des Ministeriums der Neuen Ära (17. März 1862), das der König fallen ließ, weil es im Abgeordnetenhaus die Bewilligung der Mittel für die tatsächlich bereits durchgeführte Heeresreorganisation nicht erreichen konnte, begann der Verfassungskonflikt. Der König hielt zäh an der Heeresreform fest, auch weil er die staatsrechtliche Grundsatzfrage des Verhältnisses von König und Parlament berührt sah. Da er sich in seinen Machtbefugnissen als souveräner Herrscher in Frage gestellt sah, dachte er zeitweise sogar an Abdankung. Die entsprechende Urkunde war bereits unterzeichnet, als Otto von Bismarck - auf Initiative des Kriegsministers Albrecht von Roon - den König von diesem Schritt abhielt. Bismarck erklärte sich bereit, als Ministerpräsident auch ohne genehmigten Haushalt (Lückentheorie) zu regieren und die Heeresreform durchzusetzen.

Die Politik Bismarcks
Durch die Ernennung Bismarcks zum preußischen Ministerpräsidenten am 23. September 1862 und die Unterstützung seines Ministeriums gegen das Abgeordnetenhaus verlor der König seine frühere Popularität, wie sich besonders bei den 50-jährigen Erinnerungsfesten an die Befreiungskriege 1863 und an die Vereinigung verschiedener Provinzen mit Preußen 1865 zeigte. Während zugleich die Reformen im Innern völlig stockten, ja vielfach ein schroffes Polizeiregiment zur Herrschaft kam, ließ sich der König von Bismarck zu einer entschiedenen Politik in der deutschen Frage bestimmen. Erfolge in der Deutschlandpolitik sollten von dem autoritären Regiment im Inneren ablenken und die politischen Gegner mit der Zeit ins eigene Lager ziehen.

Die erste Gelegenheit dazu bot der Deutsch-Dänische Krieg von 1864, in dem Preußen und Österreich gemeinsam als Wahrer deutscher Interessen in den mit Dänemark verbundenen Herzogtümern Schleswig und Holstein auftraten. Wie von Bismarck kalkuliert, kam es nach dem Sieg über die weitere Behandlung Schleswig-Holsteins zum Konflikt mit Österreich, mit dem Preußen damals noch immer um die Führung im Deutschen Bund konkurrierte.

Obwohl Wilhelm zunächst nur widerstrebend Bismarcks Politik gefolgt war, eine kriegerische Entscheidung gegen Österreich zu suchen, übernahm er im preußisch-österreichischen Krieg von 1866 selbst den Oberbefehl über das Heer und errang dank der überlegenen strategischen Planung des Generalstabschefs Helmuth von Moltke den kriegsentscheidenden Sieg in der Schlacht von Königgrätz. Bei den Friedensverhandlungen folgte er wiederum Bismarcks Rat und verzichtete, wenn auch ungern, auf die Annexion Sachsens, um Bismarcks deutsche Einigungspläne nicht zu durchkreuzen. Die durch den gewonnenen Krieg ausgelöste patriotische Begeisterung bot eine günstige Gelegenheit zur Beendigung des Verfassungskonflikts. Durch die Indemnitätsvorlage von 1866 genehmigte der preußische Landtag nachträglich die Staatshaushalte seit 1862.

Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes vom 1. Juli 1867 wurde Wilhelm dessen Präsident. Im Innern lenkte er wieder stärker in liberale Bahnen ein. Die verhassten Minister der Konfliktsperiode wurden entlassen und machten Anhängern einer freisinnigen Reform Platz. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 übernahm Wilhelm wieder den Oberbefehl über die gesamte in Frankreich einrückende Armee, befehligte selbst bei Gravelotte und bei der Schlacht bei Sedan; zudem leitete er von Oktober 1870 bis März 1871 von Versailles aus nominell die militärischen Operationen und die politischen Verhandlungen über die Gründung des Deutschen Reichs. Tatsächlich spielt auch hierbei Bismarck die wesentliche Rolle. Wilhelm war nur schwer davon zu überzeugen, Preußen künftig in einem gesamtdeutschen Nationalstaat aufgehen zu lassen, auch wenn er selbst an dessen Spitze treten sollte. Der Annahme des Titels „Deutscher Kaiser” widersetzte er sich noch bis zum Vorabend der Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles, die am 18. Januar 1871 stattfand.

Anders als bei den Friedensverhandlungen von 1866 setzte sich Wilhelm 1871 mit seinem Wunsch nach Annexion von Elsass-Lothringen durch, eine Entscheidung, die zur Stärkung des französischen Revanchismus beitrug.

Deutscher Kaiser
Durch die Kaiserproklamation, welche am 18. Januar 1871 - also genau 170 Jahre, nachdem sich Friedrich III. von Brandenburg zum König in Preußen gekrönt hatte - im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles stattfand, nahm Wilhelm für sich und seine Nachfolger zur Krone Preußens den Titel eines „Deutschen Kaisers” an und versprach, „allzeit Mehrer des Deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung”.

Der Proklamation war ein erbitterter Streit um den Titel zwischen Bismarck und König Wilhelm vorausgegangen. Wilhelm hatte schon an sich wenig Lust, Kaiser zu werden; er achtete den Titel des preußischen Königs höher. Ob er nun „Deutscher Kaiser” oder „Kaiser von Deutschland” heißen sollte, blieb unentschieden. Der badische Großherzog Friedrich I. löste das Problem, das noch am Morgen der Proklamation ungeklärt war, indem er einfach ein Hoch auf „Kaiser Wilhelm” ausbrachte und die heikle Titelfrage umging. Letztlich blieb es bei der von Bismarck mit Rücksicht auf die deutschen Fürsten gewählten Bezeichnung „Deutscher Kaiser”. Der Kaiser war so verbittert, dass er Bismarck nicht einmal die Hand gab. Am 16. Juni 1871 hielt er seinen glänzenden Einzug in Berlin.

Wilhelm akzeptierte aber letztlich, dass die Politik des neuen Deutschen Reiches von Bismarck bestimmt wurde. Das zeigen Aussprüche wie „Bismarck ist wichtiger für das Reich als ich” und „es ist nicht leicht, unter diesem Kanzler Kaiser zu sein”[1]. In Übereinstimmung mit Bismarck war er bemüht, den äußeren Frieden durch Bündnisse mit den Nachbarmächten (außer Frankreich) zu sichern. Zu diesem Zweck brachte er im September 1872 in Berlin im sogenannten Dreikaisertreffen den Dreikaiserbund zwischen dem Deutschen Reich, Russland und Österreich-Ungarn zustande, welcher die beiden letzteren Mächte einander annäherte und Frankreich politisch isolierte. Besuche des Kaisers in St. Petersburg und Wien 1873 und in Mailand 1875 dienten der weiteren Unterstützung dieser außenpolitischen Annäherung.

Eine andere - vor allem ehrenvolle - außenpolitische Aufgabe fiel dem Kaiser 1871 zu, als er um Vermittlung zwischen den USA und Großbritannien im sogenannten Schweinekonflikt gebeten wurde. Mit seiner Entscheidung vom 21. Oktober 1872 zu Gunsten der USA beendete er den bereits seit 13 Jahren andauernden Grenzkonflikt zwischen dem US-Bundesstaat Washington und dem kanadischen British-Columbia.

Zweites Attentat
Der Leipziger Klempnergeselle Max Hödel, ehemaliges Mitglied der Sozialdemokraten, gab am 11. Mai 1878, als der Kaiser mit seiner Tochter, der Großherzogin von Baden, in offenem Wagen durch die Straße Unter den Linden fuhr, mit einem Revolver mehrere Schüsse auf ihn ab, die aber ihr Ziel verfehlten.

Drittes Attentat
Noch war die Aufregung über das zweite Attentat nicht abgeklungen, als drei Wochen später, am 2. Juni, einem Sonntag, der Kaiser allein in den Tiergarten fuhr. An fast gleicher Stelle feuerte ein Schütze aus einem Fenster des Hauses Unter den Linden Nr. 18 zwei Schüsse auf den Kaiser, die ihn mit dreißig Schrotkörnern in Kopf und Armen schwer verwundeten; er überlebte nur Dank seiner Pickelhaube. Der Täter, Karl Eduard Nobiling, ein junger promovierter Landwirt, wurde, durch einen Selbstmordversuch schwer verletzt, gefasst.

Die Verletzungen Wilhelms waren so schwer, dass der Kaiser am 4. Juni den Kronprinzen zum Stellvertreter ernennen musste. Die Empörung über die beiden Attentate nutzte Bismarck dazu, im Reichstag das Sozialistengesetz durchzusetzen, indem er wider besseres Wissen verbreiten ließ, Nobiling sei Sozialdemokrat gewesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Nobiling verrückt war, wird von vielen als hoch eingeschätzt. Laut eigenen Angaben ging es ihm um den Ruhm des Herostratos, jenes Mannes aus Ephesos, der den berühmten Tempel der Göttin Artemis in Brand steckte, damit sein Name, wie er aussagte, der Nachwelt überliefert werde.

Wilhelm I. erholte sich allmählich von der schweren Verwundung und kehrte nach längerem Aufenthalt in Baden und Wiesbaden am 5. Dezember nach Berlin zurück, wo er die Regierung wieder übernahm. Im Juli wurde dann im ganzen Reich die sogenannte Wilhelmsspende aus kleinen Gaben gesammelt; sie ergab 1,8 Millionen Reichsmark von 12 Millionen Spendern.

Paradoxerweise übte der Schock des Attentats auf die schwächelnde Gesundheit des Kaisers einen positiven Einfluss aus. Wilhelm selbst hat später Nobiling als seinen besten Arzt bezeichnet.

Viertes Attentat
Bei der Einweihung des Niederwalddenkmals in Rüdesheim 1883 bereiteten Anarchisten um August Reinsdorf einen Anschlag mit Dynamit auf Wilhelm I. vor. Wegen des feuchten Wetters versagte aber der Zünder.

Wachsende Popularität und Tod
Wilhelm, der im hohen Alter - durch seine Charaktereigenschaften der Unaufdringlichkeit und Treue - größte Popularität genoss und für viele das „alte Preußen” verkörperte (Mehr sein als scheinen), starb nach kurzer Krankheit im Dreikaiserjahr am 9. März 1888 und wurde am 16. März im Mausoleum im Schlosspark von Charlottenburg beigesetzt.

Aus Sympathie der Deutschen zu Kaiser Wilhelm wurde die Zeile „Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben” zur Melodie des 1893 von Richard Henrion komponierten „Fehrbelliner Reitermarschs” gesungen.

Denkmäler und Ehrungen
Zwischen 1867 und 1918 wurden im deutschsprachigen Raum mehr als 1000 Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmäler sowie die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, oder das Kaiser-Wilhelm Denkmal in Porta Westfalica errichtet. 1869 wurde dem preußischen Kriegsmarinehafen an der Nordsee der Name Wilhelmshaven gegeben, die Drehbrücke über den Hafen wurde Kaiser-Wilhelm-Brücke genannt. Der 1895 eröffnete Nord-Ostsee-Kanal hieß bis 1948 Kaiser-Wilhelm-Kanal.

Vom 21. bis 23. März 1897 fand die sogenannte Centenarfeier (Hundertjahrfeier, von lat. centum - einhundert) zum einhundertsten Geburtstag statt. Weiterhin wurde anlässlich dieses Jubiläums unter anderem die Zentenarmedaille verliehen, das “Deutsche Centenar-Sportfest” veranstaltet und der Grundstein für das Sportdenkmal Berlin-Grünau gelegt.

Der Versuch seines Enkels Kaiser Wilhelm II., seinen Großvater mit dem Titel „der Große” auszuzeichnen, fand in der Bevölkerung ebenso wenig Widerhall wie in der Historiographie.

Freimaurerei
Wilhelm wurde als Prinz von Preußen am 22. Mai 1840 in einer gemeinsamen Veranstaltung aller preußischer Großlogen (Große Landesloge, Große National-Mutterloge, Royal York zur Freundschaft) in die Freimaurerei aufgenommen. Die Aufnahme leitete der damalige Ordens-Unterarchitekt Wilhelm Ludwig Viktor Graf Henckel von Donnersmarck im Namen der Großen Landesloge. Wilhelms Vater stimmte dem unter der Maßgabe zu, dass er auch das Protektorat über die drei Großlogen übernahm, dass 1774 durch Friedrich den Großen begründet worden war.

Am 22. Oktober 1840 wurde Prinz Wilhelm in das Ordenskapitel “Indissolubilis” aufgenommen, ebenfalls durch Graf Henckel von Donnersmarck, da der amtierende Ordensmeister erkrankt war.

Am 26. Dezember 1841 wurde Prinz Wilhelm zum Ordens-Unterarchitekten, dem dritthöchsten Amt innerhalb der Großen Landesloge ernannt. Er legte das Amt aber am 15. Juli 1842 nieder, um seine Neutralität als Protektor gegenüber den anderen beiden Großlogen nicht zu gefährden.

Captain Hollywood Project

07. April 2011

In den Jahren 1992/93 dominiert eine seltsame Sorte von Musikacts die nationalen Dance-und Media Control Charts. Künstler wie Haddaway, Culture Beat, Leila K., 2 Unlimited, DJ Bobo und das Captain Hollywood Project sind mit ihrem Euro-Dance-Vocal-House extrem angesagt. Hits wie “What Is Love” (Haddaway) oder “More And More” (Captain Hollywood Project) sorgen für Gedrängel auf den Balzflächen der einschlägigen Discos. Doch nur wenige haben sich über Jahre hinweg behaupten können. Einzig DJ Bobo trotzt dem Lauf der Zeit, und platziert auch noch im neuen Jahrtausend die eigenen Songs in den Top 50. Jetzt schickt sich Captain Hollywood an, mit neuem Style und Sound noch einmal die Gunst der Hörer zu erobern. Da aber seine damalige Fangemeinde dem Dance-Sound wohl schon entwachsen ist, geht der Captain mit Mystik-Rock an den Start und veröffentlicht im Mai 2001 die Maxi “Danger Sign”.

Captain Hollywood heißt mit bürgerlichem Namen Tony Harrison und kommt in Newark, New Jersey, zur Welt. Die ersten Jahre verbringt er nebenan in New York. Seine Mutter stirbt früh, sein Vater macht dem Titel “My Papa was a Rolling Stone” alle Ehre. Tony und seine sieben Geschwister werden getrennt, sie kommen jedoch zwei Jahre später in Detroit wieder zusammen. Tonys Leben ist vom viel besungenen Street Life geprägt. Um dem Ghetto zu entkommen, meldet sich der 16-Jährige wie so viele andere arme Jungs (u.a. Ice-T) zur Army. Diese schickt ihn 1980 zuerst nach Frankfurt und später nach Nürnberg.

Auch in den kalten deutschen Landen trainiert Tony fleißig an seinen Breakdance-Skills. Ob beim nächtlichen Wachdienst oder am Wochenende vor deutschen Diskotheken, er gibt jeden Abend sein Bestes. Und das wird honoriert. Tony bekommt im Gegensatz zu anderen GI’s Eintritt in die Clubs und wird sogar bald als Tänzer gebucht. Dort entdeckt ihn der Formel-Eins Produzent Andreas Thiesmeyer. Formel-Eins ist damals Tabellenführer in der Musikshow-Liga. Viva und MTV sind für die Hörerschaft noch Fremdwörter. Tony verlässt ob des verlockenden Angebots die Army und wird Hauschoreograf von Formel Eins.

Doch Tony hat noch mehr versteckte Talente. Singen ist eins davon. Er veröffentlicht ‘86 als Captain Hollywood drei Singles (”Deborah, Shirley, Soulsister”), die es in dem Club-Charts schaffen. Sein erster großer Hit aber wird ihm fast aufgezwängt. Da ihm das Liedchen “Grand Piano” nicht restlos überzeugt, wird es unter dem Synonym ‘The Mixmaster’ auf den Markt geworfen. In Deutschland, Frankreich und Großbritannien wird die Single ein Top Ten-Hit. 1989 entsteht um Tony Harrison eine der ersten multikulturellen Dance-Bands: Twenty 4 Seven. Ihr Stück “I Can’t Stand It” erringt international acht Goldene Schallplatten. Nach dem Motto “Aufhören, wenn’s am schönsten ist”, macht Tony danach zwei Jahre Pause.

1991 kommt es dann zur Geburt des Captain Hollywood Project. “More And More”, “Only With You” und “All I Want” heißen die Megahits. Captain Hollywood wird zum Vorreiter des Euro-Dance und verkauft weltweit über fünf Millionen Tonträger. Doch ab ‘94 flaut das Interesse an dem Sound merklich ab. Die Fans sind einfach übersättigt. Es wird still um Captain Hollywood. Was jedoch keiner weiß, Tony Harrison arbeitet im Hintergrund munter weiter. Er pendelt ständig zwischen Studio im Rheinland und den USA hin und her. Er arbeitet sogar mit Pete Rock, Ol’Dirty Bastard, (Wu-Tang Clan) und Krayzee Bone von (Bone Thugs-N-Harmony) zusammen. Er remixt das Dance-Rap-Duo R’n'‘G (Alex Christensen & Toni Cattania), das Projekt Black Bone (”Another Day In Paradise”) und DJ Bobo. Zudem produziert er die jüngsten Shooting Stars des Ex-N’Sync-Managers Lou Pearlman, das Boy-Quintett O-Town. Eigens aus diesem Anlass reist ein 48-köpfiges Fernsehteam des größten US-Senders ABC (+ ein MTV-US-Team) ins Rheinland, um die Aufnahmen zu dokumentieren. Es wird eine Serie mit 12 Millionen Zuschauern wöchentlich daraus. Durch diese Erfolge ermutigt, kehrt der Captain nun mit neuer Single ins Rampenlicht zurück.

Kaiser Wilhelm II

07. April 2011

Wilhelm II., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen (* 27. Januar 1859 in Berlin; † 4. Juni 1941 in Doorn, Niederlande), Sohn Kaiser Friedrichs III., entstammte der Dynastie der Hohenzollern und war von 1888 bis 1918 letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen.

Wilhelminische Epoche
Die dreißigjährige Regentschaft Wilhelms II. im Deutschen Reich (von 1888 bis 1918) wird als die wilhelminische Epoche bezeichnet. Wesentliches Merkmal war das Streben des Kaisers, das Reich als wichtige politische Größe unter den bestehenden Weltmächten zu etablieren. Als Deutscher Kaiser sah er seine Aufgabe darin, allzeit Mehrer des Deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung, wie sein Großvater Wilhelm I. formuliert hatte. Wilhelm II. legte viel Wert auf internationales Prestige. Eng verbunden mit diesem Anspruch war die militärische Aufrüstung des Kaiserreichs sowie die Forcierung der Kolonialpolitik in Afrika und der Südsee. Dies und die Verwicklung des Deutschen Reichs in verschiedene internationale Krisen (zum Beispiel Krüger-Depesche 1896, Doggerbank-Zwischenfall 1904, Marokkokrisen 1905/06 und 1911, Daily-Telegraph-Affäre 1908) führten zu einer Destabilisierung der Außenpolitik.

Die Vorliebe Wilhelms für militärischen Prunk, die sich beispielsweise in zahlreichen Paraden zu den unterschiedlichsten Anlässen ausdrückte, führte auch gesellschaftlich zu einer Überbetonung des Militärs und der militärischen Hierarchie bis hinein ins zivile Leben der deutschen Gesellschaft, in der für eine berufliche Laufbahn - nicht nur im Verwaltungsapparat - die Ableistung des Militärdienstes und der militärische Rang eines Menschen von entscheidender Bedeutung war (Militarismus): Einen Rang als Reserveoffizier innezuhaben, galt im wilhelminischen Bürgertum als Eintrittskarte in die gehobene bzw. privilegierte Gesellschaft, ebenso wie das Fehlen eines militärischen Ranges ein einschlägiges Karrierehindernis darstellte.

Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands während Wilhelms Regentschaft, verbunden mit technologischem, naturwissenschaftlichem und industriellem Fortschritt, begünstigte eine auch vom Kaiser mit getragene allgemein verbreitete Technik- und Fortschrittsgläubigkeit. Innenpolitisch setzte er die für ihre Zeit als modern und fortschrittlich geltende Sozialpolitik Bismarcks fort und erweiterte sie. Er setzte sich für die Abschaffung des Sozialistengesetzes ein und suchte, teilweise erfolglos, den Ausgleich zwischen ethnischen und politischen Minderheiten.

Wilhelm II. wollte sowohl die Innen- als auch Außenpolitik des Reiches wesentlich stärker als sein Großvater Wilhelm I. beeinflussen. Das „persönliche Regiment” des Kaisers war jedoch oft eine von häufig wechselnden Beratern gesteuerte Politik, die die Entscheidungen Wilhelms im Urteil der meisten Historiker oft widersprüchlich und letztlich unberechenbar erscheinen ließen. Die Marokkokrisen und die Erklärung des unbeschränkten U-Boot-Krieges sind nur zwei Beispiele für Entscheidungen, die den Ruf des Kaisers heute nachhaltig belasten.

Auch war seine Amtszeit von politischen Machtkämpfen zwischen den einzelnen Parteien geprägt, die es den amtierenden Kanzlern nur schwer möglich machten, längerfristig im Amt zu bleiben. So wurden im Kampf zwischen dem sogenannten Nationalliberal-Konservativen Kartell, Bülow-Block und Sozialdemokraten fünf von sieben Kanzlern unter kritischem Mitwirken des Reichstags vom Kaiser entlassen.

Während des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 wurde Wilhelms strategische und taktische Unfähigkeit offenbar. Ab 1916 enthielt er sich zunehmend relevanter politischer Entscheidungen und gab die Führung des Reiches faktisch in die Hände der Obersten Heeresleitung, namentlich in die der Generale von Hindenburg und Ludendorff, die die konstitutionelle Monarchie während der letzten Kriegsjahre mit starken Zügen einer Militärdiktatur versahen. Als sich Wilhelm II. nach Ende des „großen Kriegs” in Folge der Novemberrevolution, die zum Ende der Monarchie und zur Ausrufung der Weimarer Republik führte, zur Abdankung bewegen ließ und in die Niederlande ins Exil ging, hatte das Deutsche Kaiserreich den Krieg bereits verloren. Etwa 10 Millionen Menschen waren auf den Schlachtfeldern gefallen.

Leben bis zum Herrschaftsantritt

Kindheit und Jugend
Wilhelm II. wurde am 27. Januar 1859 in Berlin als ältester Sohn des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen (1831-1888) (vom 9. März bis 15. Juni 1888 Deutscher Kaiser Friedrich III.) und dessen Frau Victoria (1840-1901) geboren und war somit Enkel Kaiser Wilhelms I. (1797-1888) und der englischen Königin Victoria (1819-1901).

Bei der Geburt des Prinzen hatte es Komplikationen gegeben: Er kam als Steißgeburt zur Welt und überlebte nur durch das couragierte Eingreifen einer Hebamme, die das leblose Baby ganz gegen das Protokoll mit einem nassen Handtuch schlug. Während der Geburt war offenbar zu stark am linken Arm des Kindes gezogen worden, so dass es zu einer linksseitigen Armplexus-Lähmung kam. Einige Tage danach bemerkte man, dass das Kind diesen Arm nicht bewegen konnte. Er blieb fortan in seiner Entwicklung deutlich zurück und war im Erwachsenenalter deutlich kürzer als der rechte und nur eingeschränkt beweglich.

Keinen gesunden Thronfolger geboren zu haben, empfand Kronprinzessin Victoria als persönliches Versagen und war nur schwer bereit, die Behinderung des Sohnes zu akzeptieren. Kaum etwas blieb unversucht, seine Behinderung zu beheben. Legendär sind Kuren wie das Einnähen des kranken Armes in ein frisch geschlachtetes Kaninchen oder Metallgerüste, die Wilhelm umgeschnallt wurden, um seine Haltung zu verbessern. Auf Fotografien versuchte man, die körperliche Behinderung dadurch zu kaschieren, dass der linke Arm auf dem Säbelkorb ruhte oder in einem Uniformärmel versteckt wurde. Wilhelm, von Geburt derart behindert, verbrachte laut eigenen Aussagen „eine recht unglückliche Kindheit”.

Wie im Hochadel üblich, traten seine Eltern als unmittelbare Erzieher ganz hinter seinem calvinistischen Lehrer Georg Ernst Hinzpeter zurück. Als Siebenjähriger erlebte er den Sieg über Österreich 1866 mit der daraus resultierenden Vorherrschaft Preußens in Deutschland. Mit zehn Jahren, im damals üblichen Kadettenalter, trat er beim 1. Garde-Regiment zu Fuß formell als Leutnant in die preußische Armee ein. Als Zwölfjähriger wurde er mit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches nach dem Sieg über Frankreich 1871 auch zweiter Anwärter auf den deutschen Kaiserthron.

Militärdienst und Ausbildung
Nach dem Abitur am Friedrichsgymnasium in Kassel trat er am 9. Februar 1877 seinen wirklichen Militärdienst bei seinem Regiment, der 6. Kompanie unter Hauptmann von Petersdorff an. 1880 wurde er am 22. März, dem Geburtstag seines Großvaters Kaiser Wilhelm I., zum Hauptmann befördert. Bereits in diesen Jahren bildete sich bei ihm ein Verständnis seiner monarchischen Rolle, das den liberal-konstitutionellen Vorstellungen seiner Eltern zuwiderlief.

Seine folgenden Lebensstationen sind unter dem Aspekt einer Erziehung zum Monarchen zu sehen: Er sollte möglichst vielerlei Erfahrungen sammeln, erhielt aber in keinem Feld, nicht einmal im militärischen, die Chance, sich beruflich solide einzuarbeiten.

Zum Studium von vier Semestern von Oktober 1877 bis 1879 begab er sich an die von seinem Urgroßvater gegründete Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er nichtschlagendes Mitglied des Corps Borussia wurde.

1881 heiratete er Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858-1921), auch als ein dynastischer Versöhnungsakt gegenüber dem von Preußen um seine Herrschaft über Schleswig-Holstein gebrachten Herzogshaus.

Bis 1888 war er dann wechselnden Regimentern zugeordnet, dem 1. Garde-Regiment zu Fuß, dann dem Garde-Husaren-Regiment und dem 1. Garde-Feldartillerie-Regiment, wurde schnell bis zum untersten Generalsrang (Generalmajor) befördert und zuletzt Kommandeur der 2. Garde-Infanterie-Brigade. Der Militärdienst wurde immer wieder durch Beurlaubungen unterbrochen, damit er sich auch soweit möglich mit der zivilen Verwaltung vertraut machen konnte. Sehr gründlich konnte dies nicht geschehen, denn immer mehr Eile war geboten: Sein Großvater stand im höchsten Alter, und sein Vater war mittlerweile todkrank.

Für die Regierungsgeschäfte war dies weniger problematisch, da bereits seit 1862 Otto von Bismarck, zunächst als preußischer Ministerpräsident, ab 1871 als Reichskanzler die politische Macht fest in seiner Hand konzentriert hatte. Bismarck war nach drei siegreichen Kriegen (1864, 1866, 1870/71) und als Vereiniger Deutschlands zur stärksten kontinentaleuropäischen Macht ein weltweit respektierter Staatsmann. Wilhelm I. und Friedrich III. hatten ihm gelegentlich widersprochen, aber am Ende stets vertraut. Von diesem Vertrauen hing nach der Reichsverfassung der Reichskanzler auch ab, nicht vom Vertrauen des Reichstags. Bismarck baute selbstbewusst darauf, auch den dritten Kaiser lenken zu können.

Das Jahr 1888 ging als Dreikaiserjahr in die Geschichte ein. Nach dem Tode Wilhelms I. am 9. März 1888 regierte Friedrich III. auf Grund seines bereits fortgeschrittenen Kehlkopfkrebses nur für 99 Tage (der „99-Tage-Kaiser”) und starb am 15. Juni in Potsdam.

Kaiser Wilhelm II

Soziale Reformen
„Die Unternehmer und Aktionäre müßten nachgeben, die Arbeiter seien seine Untertanen, für die er zu sorgen habe; wollten die industriellen Millionäre ihm nicht zu Willen sein, so würde er seine Truppen zurückziehen; wenn dann die Villen der reichen Besitzer und Direktoren in Brand gesteckt, ihre Gärten zertreten würden, so würden sie schon klein werden”

- Wilhelm II. laut Otto von Bismarck, als er sich weigerte, Soldaten zur Niederschlagung eines Streiks im Ruhrgebiet zu schicken

Aussagen wie dieses Zitat und die Februarerlasse Wilhelms in den ersten Jahren seiner Regentschaft weckten in der Arbeiterschaft zunächst Hoffnungen auf einen sozialen Wandel im Reich. Die Sozialpolitik lag Wilhelm II. durchaus am Herzen. Allerdings folgten seinen sozialen Reformen keine strukturellen Veränderungen im Reich. Im Gegenteil, er baute seinen politischen Einfluss noch aus und lehnte eine Demokratisierung der Verfassung ab. Preußen behielt das seit Anfang der 1850er Jahre bestehende undemokratische Dreiklassenwahlrecht, das eine repräsentative Landtagsvertretung verhinderte. Nach wie vor wurde die Regierung nicht vom Reichstag gewählt, sondern vom Kaiser ohne Berücksichtigung der parlamentarischen Verhältnisse bestimmt oder entlassen. Es war dem Kanzler aber auch nicht möglich, ohne Mehrheit im Parlament Gesetze zu erlassen oder den Haushalt zu beschließen. Das Parlament besaß die Macht einer echten Legislative.

Bei alledem forderte Kaiser Wilhelm II. noch während Bismarcks Kanzlerschaft am 178. Geburtstag Friedrichs des Großen in einer Proklamation an sein Volk, mit der Devise: « Je veux être un roi des gueux » (frz.; zu dt.: „Ich will ein König der armen Leute sein”) das Verbot der Sonntagsarbeit, der Nachtarbeit für Frauen und Kinder, der Frauenarbeit während der letzten Schwangerschaftsmonate sowie die Einschränkung der Arbeit von Kindern unter vierzehn Jahren. Außerdem forderte er bei dem zur Erneuerung anstehenden „Gesetz wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie” („Sozialistengesetz”) die Streichung des Ausweisungsparagraphen, der die Polizei zur Ausweisung „gefährlicher Sozialisten” aus ihrem Heimatort berechtigte. Bismarck kommentierte dies als „Humanitätsduselei” und verweigerte sich dem in seinen Forderungen durch den Reichstag unterstützten Kaiser. Seine Forderungen konnte der junge Kaiser erst mit dem Nachfolger Bismarcks, Leo von Caprivi durchführen. Allerdings war Wilhelm II. bei allen sozialen Ambitionen so wenig ein Freund der Sozialdemokratie, wie Bismarck es gewesen war. Im Gegenteil hoffte er, durch seine Reformen die Sympathien für die trotz der Sozialistengesetze erstarkte Sozialdemokratie zu schwächen und durch die Aufhebung des repressiven Sozialistengesetzes der 1890 von SAP in SPD umbenannten Partei ihren Märtyrerbonus zu nehmen.

Die Sozialdemokraten ihrerseits ließen sich nicht von den Reformen Wilhelms II. beeindrucken und setzten unter August Bebel aus ihrem antimonarchistischen Selbstverständnis heraus weiter auf Fundamentalopposition. Obwohl sie den Fortschritt der im Arbeitsschutzgesetz zusammengefassten Reformen sahen, stimmten sie im Reichstag dagegen. Sie forderten grundlegende strukturelle Veränderungen, wie zum Beispiel eine Verfassungsänderung, Demokratisierung, ein ausgeweitetes Wahlrecht, Vorrang des Parlaments bei politischen Entscheidungen, eine Umstrukturierung des Haushalts, deutliche Senkung der Rüstungsausgaben, Freiheit für die Kolonien und anderes mehr - für den Kaiser unerfüllbare Anliegen, die seinen Hass auf die Sozialdemokratie noch steigerten.

Der Wohlstand der deutschen Arbeiterschaft stieg von Jahr zu Jahr, doch gelang es Wilhelm II. nicht, den Arbeitern in den Städten das Gefühl zu geben, anerkannte Mitglieder der Gesellschaft zu sein, was zu starken Stimmenzuwächsen der Sozialdemokraten im Reichstag und den Landtagen der Länder führte.

Diese Vorgänge ließen in Wilhelm II., der immer noch „ein König der Armen” sein wollte, das Urteil reifen, dass eine Versöhnung mit den Sozialdemokraten nicht möglich sei. Er rief schließlich in Königsberg „zum Kampf für Religion, Sitte und Ordnung, gegen die Parteien des Umsturzes!” auf. Schon 1887 hatte er, noch als Prinz, mit seiner Gemahlin den Evangelischen Kirchlichen Hilfsverein für Berlin gegründet, weil er glaubte, durch Förderung der Kirchen die soziale Frage lösen zu können; dem folgte 1890 der Evangelische Kirchenbau-Verein Berlin, mit dessen Hilfe er auch außerhalb Berlins auf Kirchbauten im Reich Einfluss nahm. Zugleich manifestierte er damit seine Vorstellung einer neuen Verbindung von Thron und Altar in Fortführung einer Linie von Konstantin dem Großen über Otto den Großen zu ihm selbst. Das am besten erhaltene Zeugnis seines Kirchbauprogramms ist heute die Erlöserkirche in Bad Homburg.

Entlassung Bismarcks und Antritt Caprivis
In der letzten Periode der Regierungszeit Bismarcks hatte das Deutsche Reich einer „Kanzlerdiktatur” geglichen, deren politische Ziele nicht die des jungen Kaisers waren. Bismarck wollte Russland als einen starken Verbündeten, Wilhelm II. vertraute hingegen nur auf Österreich-Ungarn. Bismarck wollte den „Kulturkampf” gegen den politischen Katholizismus fortsetzen, der Kaiser war strikt dagegen. Bismarck wollte das Sozialistengesetz verschärfen, Wilhelm II. es abschaffen: „Ich will meine ersten Regierungsjahre nicht mit dem Blut meiner Untertanen färben!” Als der Reichskanzler hartnäckig blieb, schickte der Kaiser am Morgen des 17. März 1890 den Chef seines Militärkabinetts, General v. Hahnke, in die Reichskanzlei: Der Kanzler solle am Nachmittag ins Schloss kommen und sein Abschiedsgesuch mitbringen. Dieses wurde ihm am nächsten Morgen aber nur durch einen Boten gebracht. Bismarcks - immer auch als Rechtfertigung und Gegenangriff zu lesende - Darstellung betont das Entwürdigende der Maßnahme, wie auch, dass er sich im Kabinett schon vor der Entlassung sehr isoliert oder verraten gesehen habe, und dass sein Stellvertreter, Karl Heinrich von Boetticher, bereits in seiner Abwesenheit und ohne seine Billigung mit dem Kaiser in dessen Sinne verhandelt hatte, so dass Bismarck sich genötigt gesehen habe, eine 38 Jahre alte Kabinettsorder Wilhelms I. heranzuziehen, die es preußischen Ministern untersagte, ohne Billigung des Ministerpräsidenten mit dem Souverän zu sprechen.

Am 20. März 1890 entließ Wilhelm II. seinen „Eisernen Kanzler”. Bismarck verwand dies nie und sorgte indirekt durch vielfach lancierte Kritik an den „Hintermännern” der wilhelminischen Politik und durch sein Memoirenwerk Gedanken und Erinnerungen für nachhaltige Kritik an Wilhelm II. (Deren dritter Teil, in welchem Bismarck seine Entlassung darstellte, wurde wegen extremer politischer Brisanz erst 1919 veröffentlicht, als Deutschland schon Republik geworden war.)

Der Rücktritt Bismarcks war somit zwar primär innenpolitisch begründet, aber langfristig gesehen vor allem außenpolitisch fatal. Aus Wien erinnerte Kaiser Franz Joseph I. eingedenk des 1866er Friedens von Wien in einem Brief sofort und explizit an Bismarcks Verdienste.

Als Bismarcks Nachfolger ernannte Wilhelm II. General Leo von Caprivi, der vom Kaiser als „Mann der rettenden Tat” gefeiert und ob seiner Leistungen in den Grafenstand erhoben wurde. Mit Caprivi glaubte Wilhelm II. eine anerkannte Persönlichkeit gefunden zu haben, mit der er seine geplante Politik der inneren Versöhnung sowie das Arbeitsschutzgesetz durchzusetzen hoffte.

Ein wichtiges außenpolitisches Ereignis fiel (gleichsam „genau passend”) in dieses Jahr des Kanzlerwechsels: Der Rückversicherungsvertrag mit Russland widersprach teilweise den Bedingungen des Dreibundpaktes mit Italien und Österreich-Ungarn. Der Kaiser war gegen ein Verletzen des letztgenannten Paktes, während Bismarck den Rückversicherungsvertrag seinerzeit für unbedingt notwendig gehalten hatte. Jetzt 1890 ging es um seine Verlängerung. Von der Öffentlichkeit unbemerkt (es handelte sich um einen Geheimvertrag), und von Caprivi hingenommen, wurde der auslaufende Rückversicherungsvertrag vom Deutschen Reich bewusst nicht erneuert. In Russland nahm man realistischerweise einen deutschen Kurswechsel an und begann, sich Frankreich anzunähern.

Caprivis Kanzlerzeit war durch entschiedene Englandfreundlichkeit geprägt. Er war in der Innenpolitik einer der Hauptverantwortlichen für den Wandel des Deutschen Reiches von der Agrarwirtschaft zur industriellen Exportwirtschaft. Die in diesem Zeitraum gemachten Reformen erleichterten es, dass Deutschland wenig später Großbritannien überholte und zur Weltwirtschaftsmacht Nr. 1 aufstieg. Der Begriff „Made in Germany” errang zu dieser Zeit den Status einer Garantie für höchste Qualität.

Integrationspolitik
Die turbulente Ersetzung des alten Deutschen Bundes durch das neu geschaffene Deutsche Reich ohne die deutschen Österreicher - die Kleindeutsche Lösung - brachte einige Probleme mit sich. Die rheinländische, süddeutsche und polnische Opposition gegen die preußische Vorherrschaft stützte sich auf das sich politisierende katholische Bürger-, Arbeiter- und Bauerntum. Als Partei des politischen Katholizismus formierte sich das „Zentrum”. Die Versuche Bismarcks, die katholischen Parteien in ihrer Arbeit zu behindern, führte zu Eingriffen in das Leben der Katholiken. Auch die Judenintegration, die es vorher außer in Preußen nur in wenigen anderen Staaten gab, war jung, und der merkliche soziale Aufstieg der jüdischen Bevölkerung nährte Neid und Antisemitismus in der Bevölkerung. In den östlichen Gebieten Preußens, vor allem in der Provinz Posen, gab es eine starke Unterdrückung der polnischen Minderheit, die zu Unruhen und Gefühlen der Ungerechtigkeit führte. Der Kaiser erkannte die Ernsthaftigkeit dieser Probleme und bezeichnete sie als eine seiner Hauptaufgaben.

Am besten gelang die Integrationspolitik gegenüber den Katholiken. Sie waren durch den Bismarckschen Kulturkampf benachteiligt und an der Teilnahme am politischen Leben, sowie bei der freien Ausübung ihrer Religion gehindert worden. Schon zu seiner Prinzenzeit war Wilhelm gegen diese Praktiken und befürwortete die Beendigung des Kulturkampfes. Um die Einigkeit zwischen Protestanten und Katholiken im Reich zu verbessern, zahlte das Reich die den Opfern vorenthaltenen Gelder zurück, hob allerdings nicht alle gefassten Beschlüsse und Gesetze dieser Zeit wieder auf.

Die östlichen Provinzen Preußens (Ostpreußen, Westpreußen, Pommern und Schlesien) waren damals mehrheitlich von Deutschen bewohnt, minderheitlich von Polen, dazu regional von Kaschuben und Masuren. In der Provinz Posen (Poznan) stellten die Polen die Mehrheit. Seit der Bismarckzeit versuchte der Staat, die hier lebenden Polen zu germanisieren, was allerdings misslang und in offenen Protest mündete. Kaiser Wilhelm II. hob viele dieser Repressionen auf, die vor allem die Unterrichtssprache und später auch die des Gottesdienstes regelten, und erkannte die Polen als eigenes Volk und Minderheit im Deutschen Reich an.

Eine der umstrittensten Bereiche in der Einordnung der politischen Meinung des Kaisers ist seine Beziehung zum Judentum und zum Antisemitismus. Wilhelm II. pflegte engen und freundschaftlichen Kontakt zu vielen prominenten Juden. Zu den später von Chaim Weizmann teils anerkennend, teils verächtlich „Kaiserjuden” genannten Politikern, Industriellen, Bankiers und Intellektuellen gehörten wie Albert Ballin, James Simon, Emil und Walther Rathenau, Eduard Arnhold, sowie Carl Fürstenberg. Die Einschätzung der Historiker gehen hier weit auseinander:

„Aber selbst hochangesehene deutsche Historiker scheinen das Ausmaß des Antisemitismus’ Kaiser Wilhelms II. schwer einschätzen zu können. Sie weisen darauf hin, daß Wilhelm mit Männern wie Albert Ballin und Walter Rathenau - den sogenannten „Kaiserjuden” - befreundet war und zahlreiche jüdische Wissenschaftler zum Professor ernannt hat, und folgern daraus, daß er deshalb kein Antisemit gewesen sein kann. Sie übersehen dabei, daß der Kaiser mehrmals erklärt hat, er sehe Ballin nicht als Juden an, daß er Rathenau als „gemeinen, hinterlistigen, niederträchtigen Verräter” beschimpfte, der zu dem „inneren Ring” der zweihundert Juden gehört habe, die die Welt regierten, und der mit Recht ermordet worden sei, [...]”

- Wolfgang Benz, Werner Bergmann: Vorurteil und Völkermord. Entwicklungslinien des Antisemitismus.

Bei den Reichstagswahlen 1880 zogen zum ersten Mal mehrere antisemitische Parteien in den Reichstag ein. Mit fünf Abgeordneten bildeten sie die „Fraktion der Antisemiten”. Grund für den gestärkten Antisemitismus waren wohl die „Gründerkrise” und die als relativ stark empfundenen wirtschaftlichen Erfolge jüdischer Unternehmer. Die Juden waren im 1871 gegründeten Deutschen Reich zum ersten Mal freie und gleiche Bürger. Die Einschränkungen waren aufgehoben, die sie, von Land zu Land unterschiedlich, teils zu Schutzbefohlenen eines Herrschers machten und ihnen wirtschaftliche Beschränkungen auferlegten oder ihnen bestimmte Berufsverbote erteilten. Auch der Dienst bei Militär, in Schulen oder der Justiz stand ihnen jetzt offen. Bei seiner Integrationspolitik kam Kaiser Wilhelm II. der Parlamentarismus im Reich entgegen. Die Wahl wurde in Einmannwahlkreisen mit absolutem Mehrheitswahlrecht durchgeführt. So hatten Dänen (ein bis zwei Abgeordnete), Elsass-Lothringer (acht bis 15 Abgeordnete) und Polen (13 bis 20 Abgeordnete) von 1871 bis zur letzten Wahl 1912 stets ihre Fraktion im Reichstag. Juden organisierten sich nicht in einer eigenen Partei. Dies widersprach ihrem Selbstverständnis, deutsche Staatsbürger zu sein, welches durch lange Tradition besonders in Preußen sehr stark ausgeprägt war. Das Wahlsystem grenzte aber auch politische Minderheiten nicht aus. Dies sorgte dafür, dass sich auch die preußenfeindlichen Welfen, aber vor allem die Antisemiten aus der Christlichsozialen Partei und der Deutschen Reformpartei organisieren konnten. Die Zahl ihrer Abgeordneten überschritt aber nie die Zahl der Abgeordneten aus den Parteien der ethnischen Minderheiten.

Trotz dieser Unterstützung gibt es von Wilhelm II. mehrere Zitate, die einen antisemitischen Ton haben: „Ich denke gar nicht daran, den Thron zu verlassen wegen ein paar hundert Juden, den paar tausend Arbeitern!” (Während der Novemberrevolution.) Ob er allerdings auf die Juden als Kollektiv schimpfte oder einzelne meinte, wie die ihn oft kritisch betrachtenden jüdisch geleiteten Zeitungskonzerne, ist unklar. In einem Brief an seinen amerikanischen Freund Pouitney Bigelow schrieb Wilhelm II. am 15. August 1927: „Die Presse, die Juden und Mücken sind eine Pest, von der sich die Menschheit so oder so befreien muß - I believe the best would be gas.”

Wirtschaftspolitik und rüstungspolitische Prioritäten
Caprivi setzte einen weiteren von Bismarck verwehrten Wunsch Wilhelms durch, die progressive Einkommenssteuer, die höhere Einkommen stärker belastete: die Miquelsche Einkommensteuerreform von 1891. Durch die industriefreundliche und exportorientierte Eindämmung des Protektionismus zog sich Caprivi die Feindschaft der im Bund der Landwirte organisierten Grundbesitzer („Ostelbier”, „Junker”) zu, die sehr eng mit der Konservativen Partei verbunden waren. Die nach Abschaffung der Schutzzölle wachsenden Agrarexporte der USA bewirkten für sie einen Preisverfall. Durch die Förderung des Einsatzes von Landmaschinen konnte man die Verluste zwar teils auffangen, erhöhte aber die agrarprotektionistischen Ansprüche der ohnehin unterkapitalisierten und zu Investitionen genötigten Großgrundbesitzer.

1893 löste Wilhelm II. den 1890er Reichstag auf, weil der die auch von ihm gewünschte Aufrüstung des Heeres abgelehnt hatte. Im darauf folgenden Wahlkampf siegten die Befürworter der wilhelminischen Politik aus der Konservativen und Nationalliberalen Partei. Auch die gegen Caprivis Widerstand von Alfred von Tirpitz propagierte Aufrüstung der Kaiserlichen Marine, im Volk durchaus populär[6], wurde in der Folgezeit von Wilhelm gefördert.

Im Januar 1894 kam es zu einem Aussöhnungstreffen mit Otto von Bismarck.

Wende in den Reichskanzlerberufungen und außenpolitische Dauerprobleme
1894 wurde Caprivi entlassen. Wilhelm berief erstmals einen Nichtpreußen, den bayrischen Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, der anders als seine beiden Vorgänger weder Führungsehrgeiz entwickeln sollte noch tatsächlich entwickelte.

1895 wurde der Kaiser-Wilhelm-Kanal, heute Nord-Ostsee-Kanal fertiggestellt und die Marinehäfen Kiel und Wilhelmshaven ausgebaut. In diesem Zusammenhang besetzte und pachtete das Deutsche Reich die chinesische Hafenstadt Tsingtao auf 99 Jahre. Wilhelm erkannte trotz seiner Englandfreundlichkeit nicht, dass damit die weltweite Hegemonialmacht Großbritannien aufs Äußerste beunruhigt wurde. Der anhaltende deutsche Kolonialismus - gegen den Bismarck und Caprivi sich noch gewehrt hatten - wurde von ihm nicht als riskant gegenüber den Großmächten England, Frankreich und Japan erkannt und gebilligt: 1899 erwarb das Reich die Karolinen, Marianen, Palau und 1900 Westsamoa. 1896 versäumte Hohenlohe-Schillingsfürst es, Wilhelm von der Krüger-Depesche abzuhalten, einem Glückwunschtelegramm an die Buren zur Abwehr des britischen Jameson Raid, die in Großbritannien mit Empörung aufgenommen und nachhaltig als Abkehr von der englandfreundlichen Politik Caprivis gedeutet wurde.

1900 ersetzte Wilhelm Hohenlohe durch Graf Bernhard von Bülow, der als Reichskanzler weder die anstehenden innenpolitischen Reformen betrieb noch die sich neu gruppierenden außenpolitischen Konstellationen, in Deutschland als Einkreisungspolitik empfunden, zu meistern vermochte. Das Verhältnis zu Frankreich wurde nicht verbessert, England nun auch durch die Flottenpolitik herausgefordert und Russland auf dem Balkan nicht gegen die Österreichisch-Ungarische Monarchie unterstützt. Wilhelm vertraute Bülow, der ihm nachhaltig zu schmeicheln wusste, lange, bis zur Daily-Telegraph-Affäre 1908 und den Eulenburg-Prozessen.

Friedenspolitisch ergriff Wilhelm II. erst 1905 eine Initiative: Im Sinne einer Wiederannäherung an Russland, das gerade seinen Krieg gegen Japan zu verlieren drohte, schloss er mit Nikolaus II. den Freundschaftsvertrag von Björkö. Frankreich sollte einbezogen werden. Er wurde allerdings schon 1907 von Russland für gegenstandslos erklärt, weil er mit der französisch-russischen Annäherung, die inzwischen stattgefunden hatte, nicht vereinbar war.[7] Diese Annäherung hatte sich ergeben, nachdem Wilhelm II. 1906 in der Ersten Marokkokrise durch seinen Besuch in Tanger Frankreich herausgefordert hatte. Resultat war überdies eine Verschlechterung der Beziehungen zu Japan, das bisher Preußen/Deutschland als wissenschaftlichen und militärischen Lehrmeister angesehen hatte.

1908 wurde Wilhelms Hilflosigkeit durch die Daily-Telegraph-Affäre deutlich: Er beschwerte sich in einem Interview mit der Zeitung über seine eigene Regierung - sie sei nicht englandfreundlich genug. Bismarck war ein Meister darin gewesen, seine Politik medial zu flankieren. Bei Wilhelm II. dagegen sollte das Interview und markige Reden die Politik ersetzen. Ein besonders eklatantes Beispiel hatte der Kaiser mit der bereits am 27. Juli 1900 in Bremerhaven gehaltenen Hunnenrede gegeben. Mit dem Daily Telegraph-Interview fiel er nunmehr der Reichspolitik in den Rücken, indem er darin erklärte, er würde ein guter „Beschützer Englands” sein, würde er doch die anderen europäischen Mächte immer zurückhalten, England zu provozieren. Dies wurde in England als Ärgernis empfunden. Es ließe sich von niemandem beschützen und empfand das Interview als Anmaßung. Wilhelm knickte angesichts des deutschen Pressesturms ein und versprach, sich künftig außen-, wie auch innenpolitisch zurückzuhalten.

Inzwischen hatte die Öffentliche Meinung begonnen, den Kaiser grundsätzlich kritisch zu sehen, und eine Kampagne schadete ihm konkret: Schon 1906 hatte der Journalist Maximilian Harden in seiner Zeitschrift Die Zukunft die Kamarilla um den Kaiser und damit das persönliche Regiment des Kaisers angegriffen. Zu besonders harten Auseinandersetzungen führte seine Enthüllung, dass Philipp zu Eulenburg, ein enger Freund und Berater des Kaisers, homosexuell sei und einen Meineid geleistet habe. Es folgten drei Sensationsprozesse gegen Eulenburg, die trotz Freisprüchen das Ansehen des Kaisers beschädigten.

1909 zerbrach der sogenannte „Bülowblock”, in dem sich die regierungsunterstützenden linksliberalen Parteien, sowie die Nationalliberale und die Konservative Partei zusammengeschlossen hatten. Auslöser war der Versuch Bülows, das preußische Wahlrecht zu reformieren, worauf ihm die im Preußischen Landtag dominierenden Konservativen die Gefolgschaft verweigerten. Sozialdemokraten und Zentrum, die diesen Versuch in seinen Grundsätzen unterstützen, verweigerten trotzdem die Zusammenarbeit mit Bülow. Sie warfen ihm Prinzipienlosigkeit vor, da er erst kurz zuvor in Zusammenarbeit mit den Konservativen neue Repressalien gegen die polnische Minderheit durchgesetzt hatte. Die Germanisierungspolitik wurde auf Betreiben Kaiser Wilhelms eingeschränkt. Dass Bülow nun aber, um sich die Loyalität der Konservativen Partei zu sichern, die Enteignung von polnischen Gütern erleichterte, ignorierte der Kaiser zunächst, um die stabile Parlamentsmehrheit nicht zu gefährden.

Doch entließ er Bülow und ernannte Theobald von Bethmann Hollweg zum Reichskanzler. Er überließ ihm die Außenpolitik, die aber ihre Ziele - Wiederannäherung an England und Distanzierung von der antirussischen Balkanpolitik Österreich-Ungarns - nicht erreichte. Die antifranzösische Politik wurde 1911 in der zweiten Marokkokrise durch deutschen Interventionismus im „Panthersprung nach Agadir” verschärft. Heer und Flotte wurden weiter verstärkt. Markante Eingriffe Wilhelms unterblieben. Der Kaiser war zwar Militarist, aber kein Bellizist, er wollte trotz seiner kriegerischen Reden im Grunde keinen Angriffs- oder Präventivkrieg. Er tat aber auch wenig, um dies deutlich zu machen.

Insgesamt ist Wilhelms II. Anteil an der deutschen Außenpolitik umstritten. Während John C. G. Röhl in ihm eine wirkungsmächtige Instanz hervorhebt, die in die Politik des Reiches eigenständig eingriff, sieht die Mehrzahl der Historiker wie Wolfgang J. Mommsen die zivile Reichsleitung im Zentrum der Verantwortung. Unbestreitbar ist, dass der Kaiser nicht als Koordinator zwischen Außen-, Heeres- und Flottenpolitik wirkte. So kam es, dass Reichskanzler, Heeres- und Marineleitung jeweils unterschiedliche Ziele verfolgten, die miteinander nicht vereinbar waren. Vor allem der Aufbau der Flotte schuf ein außenpolitisches Problem.

Erster Weltkrieg

Julikriese
1914 in der Julikrise spielte Wilhelm II. eine ambivalente Rolle. Er versuchte einerseits, den Frieden zu retten - durch einen fieberhaften Briefwechsel mit dem russischen Kaiser (Lieber Nicky! - Lieber Willy!) - der bei der nunmehr objektiven Kriegsentschlossenheit sämtlicher Kontinental-Großmächte gar nichts bewirkte, andererseits drängte er zum Losschlagen. Faktisch steigerte der Kaiser letztlich die Kriegsgefahr: Denn er ermächtigte Bethmann Hollweg nach dem Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914, Österreich-Ungarn eine Blankovollmacht für dessen aggressive Politik gegen Serbien zu erteilen.

Obwohl die Stärke Deutschlands immer mehr zugenommen hatte, hielt Wilhelm, mit seinen Ängsten vor „Sozialismus”, „Gelber Gefahr”, „Slawischer Flut” und seiner Idee vom „unvermeidlichen Gegensatz von Slawen und Germanen”, die Zeit für die letzte Abrechnung gekommen. Dabei unterschätzte er den serbienfreundlichen Panslawismus, mit dem seit 1905 die russische Politik die Unruhen im eigenen Reich zu bändigen fest entschlossen war. Der deutsche Botschafter in Wien Heinrich von Tschirschky drängte auf Wilhelms Anweisung zu einer Aktion gegen Serbien: er solle mit allem Nachdruck erklären, daß man in Berlin eine Aktion gegen Serbien erwarte und daß es in Deutschland nicht verstanden würde, wenn wir die gegebene Gelegenheit vorübergehen ließen, ohne einen Schlag zu führen.

Faktisch wurde nach der österreichisch-ungarischen Kriegserklärung an Serbien die Außenpolitik von Kaiser und Kanzler dem deutschen Generalstab überlassen: Die entschlossene Mobilmachung im Russischen Reich erlaubte es nach dem Urteil der Generalität dem Deutschen Reich nicht, mit der Kriegserklärung an Russland und Frankreich länger zu warten, da sonst der deutsche Schlieffen-Plan, bei einem Zweifrontenkrieg erst schnell Frankreich, dann Russland zu schlagen, undurchführbar zu werden drohte.

Wilhelm mischte sich in der Folge nicht in militärische Zielsetzungen ein, überließ diese aber nicht verfassungsgemäß dem Reichskabinett, sondern der Obersten Heeresleitung (OHL).

Zunehmender Machtverlust
Im Verlauf des Ersten Weltkrieges 1914-1918 wurde die Bedeutung des Kaisers immer geringer. Besonders mit der Dritten Obersten Heeresleitung unter Hindenburg und dem dominierenden Ludendorff wurde er 1916-1918 zunehmend von den politisch-militärischen Entscheidungen ausgeschlossen. Jedoch schob die Heeresleitung ihm 1917 die auch im Reich umstrittene Entscheidung über den „uneingeschränkten” U-Boot-Krieg zu. Er schloss sich - gegen den Rat seines Reichskanzlers - der Meinung der Militärs an und willigte ein, was nach dem „Lusitania-Zwischenfall” dann zur Kriegserklärung der USA führen sollte. Diese machten später die Abdankung des Kaisers zur Bedingung für die Eröffnung von Friedensverhandlungen. Ab 1917 hatte Ludendorff eine faktisch diktatorische Position. Auf weitere Reichskanzlerwechsel nahm Wilhelm II. keinen Einfluss, die 1918er Reform der Reichsverfassung in Richtung auf eine parlamentarische Monarchie wurde ohne ihn versucht. Die „stille Diktatur der OHL” war auch durch die Schwäche Kaiser Wilhelms bedingt, der in den beiden letzten Kriegsjahren immer hilfloser agierte, was die Position der OHL stärkte.

Kriegsziele
Am 13. Mai 1917 präsentierte Wilhelm II. seinem Staatssekretär für Äußeres ein Kriegszielprogramm, das die Bestrafung aller Gegner, sogar der USA (in Form von Reparationen) vorsah. Neben ausgedehnter kolonialer Expansion - Malta, Zypern, Ägypten, Mesopotamien an die Türkei, Madeira, Kapverden, den Azoren und der Kongo an Deutschland - erwartete er die Anbindung der autonomen Länder Polen, Kurland, Litauen, Ukraine, Livland und Estland an sein Reich. Außerdem forderte er unrealistische Kriegsentschädigungen von allen Kriegsgegnern. Allerdings stand Wilhelm II. gerade in dieser Zeit eher im Hintergrund, er hatte selten ein entscheidendes Wort mitzureden, so dass sein Programm in Kreuznach nicht sehr ernstgenommen wurde und nur, was den kolonialen Bereich betraf, in der politischen Planung berücksichtigt wurde.

In Rahmen einer Balkanreise begeisterte sich der Kaiser über die reichen Gebiete Rumäniens, das eroberte Land hatte ihm außerordentlich gefallen, bei guter Verwaltung würde das Land zu einer Quelle größten Reichtums werden.

1918 autorisierte er den Plan, Russland nach Abtretung Polens, des Baltikums und des Kaukasus in vier unabhängige Zarentümer, die Ukraine, den Südostbund, als antibolschewistisches Gebiet zwischen der Ukraine und dem Kaspischen Meer sowie in Zentralrussland und Sibirien zu teilen. Diese Form der Beherrschung ergäbe eine Brücke nach Zentralasien zur Bedrohung der britischen Stellung in Indien. Der Plan eines Südostbundes stand dabei in Konkurrenz zu osmanischen Absichten. Kanzler Hertling, der Livland und Estland in gewisser Ferne als freundschaftlich uns angeschlossene Staaten bezeichnete, wurde von Wilhelm zurückgewiesen: Unsinn! Das Baltikum ist eins, und ich werde sein Herr und dulde keinen Widerspruch, Ich habe es erobert und kein Jurist kann es mir nehmen!

Wilhelm sah sein protestantisches Kaisertum, vor allem im Gegensatz zum Haus „Habsburg-Parma”, zunehmend als seine Sendung an:

„Das ultrabigotte Haus Parma erstrebt eine konfessionelle Einkreisung des vom verhaßten Hohenzollernhaus regierten Deutschlands. Unter Wiens Führung, sollen im Bündnis mit ihm, Italien - durch Rückgabe von Trentino und Tirol gewonnen - Frankreich, Polen und Litauen bis ans Meer vereinigt werden! Daher Polens Selbständigkeit und die Wiederaufnahme der in Homburg beseitigten austropolnischen Lösung. Daher ein selbständiges Litauen unter katholischen Fürsten; daher der Widerstand gegen unsere Angliederung des Baltikums inklusive Liv- und Estland, die Litauen angeschlossen und katholisiert werden sollten, um uns vom Meer abzuschneiden.”

Matthias Erzberger, der diesen Interessen diene, sei ein schurkenhafter Verräter, der unschädlich gemacht werden muß.

Sturz und Abdankung
Durch den Hungerwinter 1917/18 und das völlige Desaster der Kriegsführung, spätestens nach der gescheiterten Frühjahrsoffensive im Westen 1918, war Wilhelm II. bei vielen im Reich unhaltbar geworden. Dazu kam die Tatsache, dass die USA sich einerseits weigerten, Friedensverhandlungen vor der Abdankung des Deutschen Kaisers zu beginnen, sie andererseits aber unter den kommenden Siegermächten infolge des 14-Punkte-Programms Woodrow Wilsons als die bei Weitem gemäßigtste gelten konnten. Am 9. November 1918 wagte Reichskanzler Prinz Max von Baden (1867-1929) es und gab eigenmächtig - ohne Wilhelms II. Einwilligung - dessen Abdankung bekannt.

Am 10. November 1918 flüchtete der Kaiser aus seinem Hauptquartier in Spa in die Niederlande und erbat (und erhielt) dort Asyl. Besonders enttäuscht war er von Hindenburg, der ihn fallen gelassen hatte. Er dankte offiziell am 28. November 1918 ab, 19 Tage nach Ausrufung der Republik, ausgesprochenermaßen in der Hoffnung, die Situation im Reich (siehe Novemberrevolution) zu stabilisieren. Er gab jedoch nie den Wunsch auf, wieder auf den Thron zurückzukehren.

Text der Abdankungsurkunde:

„Ich verzichte hierdurch für alle Zukunft auf die Rechte
an der Krone Preussens und die damit verbundenen Rechte an der
deutschen Kaiserkrone.

Zugleich entbinde ich alle Beamten des Deutschen Reiches
und Preussens sowie alle Offiziere, Unteroffiziere und Mann-
schaften der Marine, des Preussischen Heeres und der Truppen
der Bundeskontingente des Treueides, den sie Mir als ihrem
Kaiser, König und Obersten Befehlshaber geleistet haben. Ich
erwarte von ihnen, dass sie bis zur Neuordnung des Deutschen
Reichs den Inhabern der tatsächlichen Gewalt in Deutschland
helfen, das Deutsche Volk gegen die drohenden Gefahren der
Anarchie, der Hungersnot und der Fremdherrschaft zu schützen.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unter-
schrift und beigedrucktem Kaiserlichen Insiegel.

Gegeben Amerongen, den 28. November 1918.

Wilhelm”

Zeit nach der Abdankung

Exil
Bis 1920 lebte Wilhelm II. auf Schloss Amerongen (Niederlande), danach bis zu seinem Tod in dem von ihm erworbenen Haus Doorn in den Niederlanden im Exil. 1921 starb seine Frau, Kaiserin Auguste Viktoria.

Am 5. November 1922 heiratete er die verwitwete Prinzessin Hermine von Schönaich-Carolath, geborene Prinzessin Reuß ä.L. (1887-1947) („Kaiserin” in seiner Titulatur, amtlich „Prinzessin von Preußen”). Er versammelte Gelehrte zu kulturhistorischen Studien um sich („Doorner Arbeitskreis”), verfasste seine Memoiren und weitere Bücher und hielt sich für die Wiederherstellung der Monarchie bereit. Unter anderem durch den Hitlerputsch 1923 sah er sich darin bestätigt, dass nur ein Monarch Ruhe und Ordnung garantieren könne.

Obwohl die Hohenzollern vom demokratischen Deutschland großzügig abgefunden wurden, machte Wilhelm aus seinem Hass auf die Saurepublik keinen Hehl. 1933 näherte er sich - auch bestärkt durch seine Frau, die im Reich umherreiste - den Nationalsozialisten an, von denen er sich die Restauration des Kaiserreichs versprach, was sich trotz zweimaligen Besuchs Görings in Doorn bald als unrealistisch erwies.

Als Wilhelm II. im November 1938 von dem antijüdischen Pogrom, der „Kristallnacht”, erfuhr, äußerte er sich entsetzt, bezeichnete es als Schande und forderte jeden Deutschen auf, dagegen zu protestieren. Bei der Besetzung der Niederlande 1940 ließ Hitler das Anwesen durch die Geheime Feldpolizei abriegeln.

Zum deutschen Sieg über Frankreich im Mai erhielt Adolf Hitler von Wilhelm II. am 17. Juni 1940 folgendes Glückwunschtelegramm:

„Unter dem tiefergreifenden Eindruck der Waffenstreckung Frankreichs beglückwünsche ich Sie und die gesamte deutsche Wehrmacht zu dem von Gott geschenkten gewaltigen Sieg mit den Worten Kaiser Wilhelms des Großen vom Jahre 1870: ‚Welche Wendung durch Gottes Fügung‘. In allen deutschen Herzen erklingt der Choral von Leuthen, den die Sieger von Leuthen, des Großen Königs Soldaten, anstimmten: ‚Nun danket alle Gott‘”

- Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918-1945. Serie D, Band 9: Die Kriegsjahre. 18. März bis 22. Juni 1940.

Tod und Beisetzung
Wilhelm II. starb am Morgen des 4. Juni 1941 im Haus Doorn nach einer Lungenembolie.

Trauerfeiern im Reich wurden verboten. Die NS-Machthaber erlaubten nur einer kleinen Zahl von Personen (dem engeren Familienkreis, einigen ehemaligen Offizieren, darunter Generalfeldmarschall August von Mackensen) die Fahrt in die besetzten Niederlande zur Teilnahme an der Beisetzung. Der Kaiser hatte seine Beisetzung im engsten Kreis verfügt und Trauerreden untersagt. An der Trauerfeier nahmen Abordnungen der alten Armee und der neuen Wehrmacht teil, die Bestattung endete auf Wunsch des Kaisers mit dem von der Wehrmachtskapelle gespielten Choral und Gebetslied des Großen Zapfenstreichs „Ich bete an die Macht der Liebe”. Der Kaiser wurde zunächst in einer Kapelle nahe dem Doorner Torhaus beigesetzt, wobei Potsdamer Erde auf seinen Sarg gestreut wurde. Später wurde sein Sarg in das nach seinen Zeichnungen postum erbaute Mausoleum im Park von Haus Doorn übergeführt. Sein von ihm selbst ausgewählter Grabspruch lautet: „Lobet mich nicht, denn ich bedarf keines Lobes; rühmet mich nicht, denn ich bedarf keines Ruhmes; richtet mich nicht, denn ich werde gerichtet werden.”Er selbst hat verfügt, dass eine „Umbettung seiner Gebeine in deutsche Erde” erst nach der Wiedererrichtung der Monarchie in Deutschland durchzuführen sei.

Beide Gattinnen Wilhelms II. ruhen im Antikentempel am Neuen Palais in Potsdam.

Wilhelm II. als Persönlichkeit
Eine besondere Zuwendung durch seine Eltern erfuhr Wilhelm II. nicht, was zu einem bleibenden Ressentiment, besonders gegen seine Mutter, führte, die ihn ihrerseits, folgt man ihren familiären Briefen, auch politisch sehr kritisch sah. Schmerzvoll waren die Versuche der Familie, seiner Behinderung entgegenzuwirken. Sein verkümmerter linker Arm führte zu Gleichgewichtsstörungen und Haltungsschäden sowie häufigen Schmerzen im linken Ohr. Doch der zukünftige König von Preußen sollte ein „ganzer Mann” und kein Krüppel sein. So wurden dem Kind verschiedene schmerzhafte Therapien zugemutet. Das oft erforderliche Reiten fiel ihm lebenslang schwer.
Die Behinderung verminderte vermutlich sein Selbstwertgefühl und steigerte seine Egozentrik, leichte Kränkbarkeit und Sprunghaftigkeit. Das Tragen von Uniformen und das Abstützen der linken Hand auf der Waffe waren da hilfreiche Angewohnheiten. Ob von einer ernsthaften seelischen Erkrankung oder von einer Anlage zu einer Geisteskrankheit gesprochen werden kann, ist strittig. Ein schwermütiger Zug wird ihm mitunter attestiert. Der noch heute berühmte Psychiater Emil Kraepelin bezeichnete sogar - auf Grund ferndiagnostisch zugänglicher öffentlicher Quellen - Wilhelms Gemüt als einen „typischen Fall periodischen Gestörtseins”, ein freilich bestrittenes Urteil in Richtung auf eine manisch-depressive Disposition.

Der US-amerikanische Historiker Robert K. Massie beschreibt ihn zum Zeitpunkt des Regierungsantritts:

„Wer den neuen deutschen Kaiser betrachtete, sah einen knapp mittelgroßen Mann mit rastlosen, strahlend blauen Augen und lockigem hellbraunen Haar. Sein auffallendstes Merkmal war ein buschiger Schnurrbart mit aufgebogenen Spitzen, die Kreation eines geschickten Barbiers, der jeden Morgen mit einer Dose Wachs im Schloss erschien. … Wilhelm II. wünschte die Zustimmung und Zuneigung seines Volkes, sehnte sich sogar danach, aber die höchste Macht lag für ihn nicht beim Volk oder seinen Vertreten im Reichstag, sondern beim Monarchen, der loyal von seiner Armee unterstützt wurde.”

Er war unsicher und arrogant, intelligent und impulsiv, vernarrt in die moderne Technik und zugleich verliebt in Pomp und Theatralik.[20] Anhaltende Schwierigkeiten waren Wilhelm II. verhasst. Das begünstigte wohl auch seine sprichwörtliche Reiselust. Vor allem aber ließ er deswegen auch bewährte Freunde und Parteigänger schnell im Stich, so dass zunehmend Höflinge mit diplomatisierendem Charakter seinen Umgang ausmachten und seine Personalauswahl bestimmten (so wohl auch die Wahl Bülows). Offiziere, unter denen er sich wohl fühlte, erweiterten sein Urteil wenig, denn sie hatten im Zweifel die politischen Vorurteile ihrer kastenartig abgeschlossenen Berufsgruppe, und auch ihr Stil des Schwadronierens färbte auf ihn ab.

Von seiner Persönlichkeit her gesehen behinderten narzisstische Züge seine Einfühlungsgabe und sein Urteil über Andere, wie etwa über Nikolaus II. von Russland. Er selbst sah sich als geradezu und offen, doch seine Taktlosigkeiten waren bekannt. Sie fielen seiner Mitwelt besonders bei seinem Regierungsantritt und bei Bismarcks Entlassung ins Auge, die dieser in seinen Gedanken und Erinnerungen eifrig ausbreitete. Eine diese Nachteile ausbalancierende Welt- und Menschenkenntnis zu erwerben, hatte sein Werdegang ihm nicht erlaubt.

Trotz der Wesensunterschiede zu seinem altpreußisch-schlichten und im Persönlichen loyalen Großvater Wilhelm I. versuchte Wilhelm II. immer, dessen Regierungsmuster zu folgen. Man kann sein anfängliches Verhältnis zu Caprivi dergestalt deuten, dass er hier „seinen eigenen Bismarck” gefunden zu haben hoffte. Zum militärischen Oberbefehlshaber ernannte er den Neffen des berühmten Generalfeldmarschalls Helmuth von Moltke („Ich will auch einen Moltke”), der dann aber aus dem Schatten Alfred von Schlieffens nicht herauszutreten vermochte. Allerdings wurde die Zurückhaltung seines Großvaters bei direkten politischen Eingriffen keineswegs bleibendes Merkmal des Enkels. Wiederholt griff Wilhelm II. durch Personalentscheidungen und Befehle für Gesetzesvorlagen direkt in die Politik ein.

Gar nicht folgte er der öffentlichen Zurückhaltung des alten Kaisers. Mit Selbstdarstellungseifer drängte Wilhelm II. oft ostentativ in die Öffentlichkeit, wobei seine nicht unbeachtliche Rednergabe ihm Echo einbrachte, ihn aber auch zu politisch bedenklichen Formulierungen hinriss. Auch begünstigte dieser Übereifer sein Verhältnis zu den Massenmedien. Man kann ihn als ersten Medienmonarchen des 20. Jahrhunderts ansehen.

Sein Faible für Uniformen und Orden trug zum Klischee-Bild des nach ihm benannten Wilhelminismus bei. Ein Höhepunkt dieses Stils war die pompöse und von der Berliner Bevölkerung als Puppenallee belächelte Siegesallee im Tiergarten mit 32 Statuen der Brandenburger und Preußischen Markgrafen, Kurfürsten und Könige und weiteren 64 Nebenfiguren. Für das Standbild des Askaniers Albrecht der Bär fertigte Wilhelm Kostümskizzen an. In der sogenannten „Rinnsteinrede” zur Eröffnung des Prachtboulevards am 18. Dezember 1901 verordnete Wilhelm den Stil der Bildenden Künste von oben („keine Rinnsteinkunst!”).

Eigene Interessen entwickelte er ferner für die Archäologie, seine Korfu-Aufenthalte waren davon bestimmt. Außerdem oblag er, wie in Adelskreisen nicht unüblich, begeistert der Jagd, seine Trophäenzahl erfreute ihn (er erlegte rund 46.000 Tiere), im Exil fällte er gerne Bäume. Bei der Jagd hatte Wilhelm auch seinen später engen Freund Philipp Graf zu Eulenburg kennengelernt, der besonders in den Jahren 1890 bis 1898 zu seinen wichtigsten Beratern zählte.

Wilhelm liebte wie sein Bruder Heinrich das Segeln. Er segelte vor der Küste Südenglands mit seiner Yacht „Meteor” in prestigeträchtigen Regatten und war Stammgast bei der Kieler Woche, die er 1894 zum ersten Mal besucht hatte. Auch Automobile machten ihm Freude. Er fuhr gerne mit den neuesten Wagen und war Protektor des Kaiserlichen Automobilclubs.

Desengagement, wenn die Dinge anders liefen, als er wollte, blieb sein Wesenszug. 1918, angesichts der Novemberrevolution, entwich er ins neutrale Ausland. Seine in Holland verfasste Autobiografie gibt sprechende Zeugnisse aus seiner Kindheit, bezeugt aber mit ihren Rechtfertigungen oder Themenvermeidungen seine Urteilsschwächen.

Das Bild Wilhelms II. in der Öffentlichkeit
Wilhelm II. war zunächst recht populär. Die weniger geschätzten Züge einer Reichseinigung „von oben” mit Bewahrung alter Machtstrukturen fand in der Kaiserverehrung einen willkommenen Ausgleich. Die weithin monarchistisch gesinnte Presse nahm dies auf, man fand für ihn die Bezeichnungen „Arbeiterkaiser” und „Friedenskaiser” (dies geht u. a. auf den Vorschlag von Emanuel Nobel von 1912 zurück, Kaiser Wilhelm II. den von Alfred Nobel gestifteten Friedensnobelpreis zuzusprechen, damals hatte das Deutsche Reich unter seinem Kaisertum 24 Jahre Frieden gehalten). Doch wurde er andererseits auch als bedrohlich empfunden (vgl. Ludwig Quiddes als Kritik an Wilhelm II. aufgefasste und vielrezipierte 1894er Studie Caligula zum „Cäsarenwahnsinn”) oder aber verspottet: „Der erste war der greise Kaiser, der zweite war der weise Kaiser, der dritte ist der Reisekaiser.” Auch in der Bezeichnung „Redekaiser” steckte

Kritik. Über seine vielen verschiedenen Uniformen wurden Witze gemacht:

„Majestät, im Badezimmer ist ein Rohr geplatzt. - Bringen Sie die Admiralsuniform.”
- Simplicissimus

Von den ihn kritisierenden Demokraten, Sozialisten, Katholiken, auch den kritischen Minderheiten (die Polen, seit 1864 die Dänen, seit 1866 die Welfen/Hannoveraner, seit 1871 die Elsass-Lothringer) wurde ihm zunächst das die öffentliche Meinung beherrschende Bürgertum am gefährlichsten. Bei vielen Schriftstellern war er nicht angesehen, der ironische Thomas Mann war in seinem Roman Königliche Hoheit noch am mildesten mit einem behinderten und etwas einfältigen Dynasten umgegangen. Direkte Kritik verbot der Paragraph zur „Majestätsbeleidigung” im Strafgesetzbuch, aber die Witze über ihn wurden immer beißender. Man vergleiche nur das viel positivere Kaiserbild des alten Kaisers Franz Joseph in Österreich-Ungarn.

Nach seinem lange hinaus gezögerten Entschluss, 1918 nicht an der Spitze seiner Truppe zu fallen, sondern ins Exil zu gehen, wurde ihm auch Feigheit vorgeworfen. Bei vielen verschob sich die Meinung hin zu Verachtung. Dennoch blieb durch die Jahre der Weimarer Republik hindurch der monarchistische Flügel stark. Doch Wilhelms Hoffnungen auf eine Rückkehr als Monarch zerschlugen sich nach der Präsidentenwahl Hindenburgs 1925 und noch einmal nach Hitlers Machtantritt 1933. Hindenburg nahm seinen Eid auf die Republik ernst, Hitler seine „Führer”-Diktatur. Volker Ullrich urteilte auf Grund der nunmehr vollständig vorliegenden Studie Röhls über Wilhelm II. 2008:

„Mit seiner Geringschätzung alles Zivilen, seiner Verachtung der Slawen, seinem Hass auf die Juden, seinen ausufernden Weltmachtfantasien vertrat er Haltungen und Ideen, die von den Nationalsozialisten aufgegriffen, radikalisiert und in die Tat umgesetzt wurden. Insofern ist es durchaus berechtigt, ihn als einen Vorboten Hitlers zu bezeichnen.”

Familie
Wilhelm heiratete 1881 Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Sie hatten sieben Kinder.

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1922 die verwitwete Prinzessin Hermine von Schönaich-Carolath, geborene Prinzessin Reuß ä.L. (1887-1947) („Kaiserin” in seiner Titulatur, amtlich „Prinzessin von Preußen”).